(Review R. Sutter, 2005)
Inhalt
John Constantine (Keanu Reeves) ist buchstäblich durch die Hölle gegangen. Er
besitzt das unheimliche Talent, Halbengel und Dämonen zu erkennen, die als
Menschen getarnt auf der Erde wohnen. Um der Qual seiner Visionen zu entrinnen,
begeht Constantine Selbstmord, der jedoch fehlschlägt. Gegen seinen Willen wird
er auferweckt und wieder ins Diesseits befördert. Nach seinem Selbstmordversuch
erhält er noch mal eine neue Lebensfrist, während er an der irdischen Grenze
zwischen Himmel und Hölle entlangpatrouilliert. Vergeblich hofft er, sein Kampf
gegen die erdgebundenen bösen Geister möge ihm Erlösung bringen.
Dabei ist Constantine bei weitem kein Heiliger. Er hat fast keine Illusionen
mehr über das Diesseits und hadert mit dem Jenseits. Aus ihm wird immer mehr
ein verbitterter Held mit Alkohol- und Nikotinproblemen, dem allein schon die
Idee des Heldentums verhasst ist. Constantine kämpft zwar darum, Menschenseelen
zu retten, pfeift aber auf Bewunderung und Dank; von Mitgefühl ganz zu
schweigen! Denn letztlich sucht er bloß nach einem Ausweg für sich selbst.
Als sich Constantine mit der ebenfalls verzweifelten Detektivin Angela Dodson
(Rachel Weisz, "Die Mumie") zusammentut, um den rätselhaften Tod
ihrer geliebten Zwillingsschwester aufzuklären, führen ihre Ermittlungen sie
durch eine von Dämonen und Engeln bewohnte Unterwelt, die unter dem heutigen
Los Angeles gelegen ist. Angesichts vieler misslicher Umstände wird es für Angela
und John immer schwieriger, ihren eigenen Seelenfrieden zu finden.
Kritik
Als Kinofan hat man es heute nicht leicht. Vor allem dann, wenn man das
Science-Fiction-, Horror- und Fantasy-Genre liebt, man von Hollywood jedoch nur
noch die üblichen Comicfilmchen vorgesetzt bekommt, in denen weichgespülte,
strahlende Helden mit Superkräften ach so finstere Bösewichter (mit der
Altersfreigabe "ab 6 Jahren") vermöbeln. Einige Monate vor den
zukünftigen Megablockbustern wie "Die fantastischen Vier",
"Spidey 3" und "X-Men 3" zeigt die US-Filmindustrie Gnade
und bringt mit "Constantine" zwar wieder eine durchgestylte
Comicverfilmung auf die Leinwände, aber wenigstens eine der gehobenen Klasse.
Herrlich düster und teuflisch böse. Der Fairness halber muss ich gestehen, dass
ich "Constantine", den Comic wohlgemerkt, überhaupt nicht kenne.
Deswegen kann ich auch nicht beurteilen, ob die Fans der Vorlage an dem Film
Gefallen finden werden. Dass John Constantine ursprünglich ein blonder
Engländer und kein schwarzhaariger Amerikaner war, lässt mich kalt. Der Film
ist jedoch so gut gelungen, dass ich durchaus nicht abgeneigt wäre, einen Blick
auf die Comicvorlage "Hellblazer" von Kevin Brodbin, Mark Bomback und
Frank Capello zu werfen.
Wie dem auch sei, lassen wird das Heftchen, pardon, die Graphic Novel beiseite
und widmen wir uns dem Film. Die Geschichte ist aufregend, mysteriös, düster
und voller skurriler Einfälle und Überraschungen. Obwohl sich der Film selbst
sehr ernst nimmt, ist er mit Humor durchzogen, der stellenweise fast schon als
brillant zu bezeichnen ist. Immer treffend, immer überraschend, aber nie
aufdringlich und auf grobe Lacher aus. Visuell ist der Film die reinste Augenweide
(wer hätte gedacht, dass die Hölle so fantastisch ausschaut?). Francis Lawrence
hat hier wahrlich ganze Arbeit geleistet. Der (nun wohl) ehemalige
Musikclip-Regisseur verzichtete auf eine überhastige, verwackelte Kameraführung
und überbordende Schnitte, bei denen man einen epileptischen Anfall bekommen
könnte, und lässt dem Zuschauer Zeit, die Bilder auf sich einwirken zu lassen.
Obwohl es natürlich ebenfalls rasant zur Sache geht, fehlt dem Publikum nie der
Überblick wie in ähnlichen Großproduktionen à la "Riddick".
Für einen potenziellen Horror-Blockbuster (bisheriges Einspielergebnis nach
einer Woche: 66 Millionen Dollar) erstaunt es sehr, dass es nur relativ wenig
Action und Tote gibt. Das Hollywood-Motto, Splatter-Effekte möglichst bis zum
Exzess zu zeigen und überall Blut spritzen zu lassen (man erinnere sich hierbei
an "Exorzist – The Beginning"), wird hier nicht erfüllt. Bei einigen
Szenen wird weggeblendet, um nicht das ganze schreckliche Ausmaß zu zeigen und
das Publikum nicht mit Ekel zu unterhalten. Das verleiht dem Film eine Klasse
und einen Anspruch, wie man es seit "Im Auftrag des Teufels"
(ebenfalls mit Keanu Reeves) nicht mehr im Kino gesehen hat. Ehrlich, ich kann
den Teeniehorrorquatsch à la "Resident Evil 2" und "Scream"
nicht mehr sehen. "Constantine" ist eine wahre Offenbarung für
Freunde des gepflegten Horrors.
Die Darsteller verdienen ebenfalls Lob. Keanu Reeves, in meinen Augen nicht
wirklich ein guter Schauspieler, überzeugt als emotionsloser, zynischer
Antiheld, dem alles egal ist und der Gott am liebsten zum Teufel wünscht. Eine
bessere Wahl als ihn kann ich mir nicht vorstellen. Rachel Weisz (Doppelrolle
als die Zwillingsschwestern Dodson) hebt sich wohltuend von den üblichen Frauen
des Genres ab. Weder schreit sie wie eine Scream-Queen die ganze Zeit herum,
noch vollführt sie akrobatische Kämpfe. Ganz große Klasse ist jedoch Tilda
Swinton als androgyner Erzengel Gabriel und der fabelhafte Peter Stormare als
Teufel himself. Die beiden stehlen den Hauptdarstellern glatt die Show.
Fazit
Mag sein, dass der Film nicht sein ganzes Potenzial entfalten und nicht
alles erfüllen kann, was der Trailer verspricht, aber für mich ist "Constantine" ein in allen Belangen toller
Film (und gleichzeitig der teuerste Antiraucherspot der Welt). Für die
Actionfans vielleicht etwas zu gemächlich in der Inszenierung, aber die
Liebhaber des Genres werden ihre himmlische Freunde oder ihr teuflisches
Vergnügen dabei haben.
Produktion
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Steve Bissette & Mark Bomback
Darsteller:
Keanu Reeves (John Constantine)
Rachel Weisz (Angela und Isabel Dodson)
Shia LaBeouf (Chas Chandler)
Tilda Swinton (Gabriel)
"Spoilerfreie" Filmkritiken aus den Bereichen Science-Fiction, Horror und Fantasy
Dienstag, 30. April 2013
"Batman Begins": Angst vor Mäusen?
(Review von R. Sutter)
Inhalt
Als kleiner Junge erlebt Bruce Wayne die Ermordung seiner Eltern mit eigenen Augen. Traumatisiert durch dieses Ereignis wird er von der Sehnsucht nach Rache getrieben. Das Schicksal jedoch treibt ihn in die Berge Chinas, wo er Zuflucht bei einer geheimen Ninja-Vereinigung findet, die von Ra's Al-Ghul (Ken Watanabe) angeführt wird. Als ausgebildeter Kämpfer kehrt Bruce (Christian Bale) in seine mittlerweile heruntergekommene Heimatstadt Gotham City zurück. Die Stadt ist nun fest in Händen des organisierten Verbrechens. Die Entdeckung einer Höhle unter dem Grundstück seiner Eltern und der Prototyp eines gepanzerten Spezialanzugs vom WayneTech-Boss Lucius Fox (Morgan Freeman) erlauben es Bruce, eine neue Identität anzunehmen: Batman Begins!
Kritik
Bevor die positiven Aspekte dieses Films kurz beleuchtet werden, möchte ich mich erst den Schattenseiten zuwenden. Das Hauptproblem dieses Films ist das Problem fast aller Comicfilme: Wir erleben deren Anfang und wie der Held zu jener Figur geworden ist, die er nun ist. An sich keine schlechte Idee, würden wir die Geschichte von Batman nicht bereits seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) kennen und uns diese Art von Anfang aus zahlreichen anderen Filme bekannt vorkommen.
Nach erfolgtem Trauma wird der Held gezwungen, seine wahre Identität geheim zu halten, und während er im Verborgenen gegen allerlei Unheil ankämpft, spielt er im normalen Leben meist eher einen Spießer. Ich möchte wirklich einmal etwas anderes sehen. Vielleicht in der Art von: "Guten Morgen, Schatz, ich werde heute mal wieder die Welt retten" - oder wie wäre es mit einem Helden, der zu seinen Taten steht: "Vor dem Mittagessen habe ich eine Terrororganisation ausgelöscht, mit einer Horde Mutanten gekämpft, einer Oma über die Straße geholfen und ein Kätzchen heil vom Baum geholt. Yeah! Am Nachmittag werde ich meinen Werbevertrag bei Pepsi unterschreiben und Millionen verdienen, und würde meine Strumpfhose nicht so in meinem Schritt kneifen, wäre ich rundum glücklich." Schlicht und einfach mal etwas Neues.
"Batman Begins" ist also auch bloß wieder eine Art von Prequel - oder ein Remake, oder doch eher ein Pre-Sequel? So genau weiß das wohl keiner. Während wir also erneut erfahren, wie aus Bruce Wayne Batman wird, überrascht uns Regisseur Christopher Nolan damit, wie viel Zeit er sich für diese Einführung lässt. Die ersten 50 Minuten würde ich zwar nicht gerade als langweilig bezeichnen, aber durchaus als zäh. Dem Film selbst tut dies jedoch gut, denn dadurch befreit sich der zum peinlichen Halbbruder der Power Rangers avancierte Rächer des Rechts vom Image der clownhaften Adam-West-Figur, in welches Batman in dem letzten grässlichen Zelluloidmüll von Joel Schumacher geraten ist. Nolan und sein Drehbuchautor David S. Goyer ("Blade 1-3") erschaffen einen neuen Batman, einen mit echten, nachvollziehbaren Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen. Einen Helden mit Tiefe. Einen Menschen, der auch hinter einer Maske klar zu erkennen ist.
Eines kann nicht deutlich genug hervorgehoben werden: "Batman Begins" ist kein überladenes, klischeehaftes, kitschig buntes Eventmovie voller Peinlichkeiten. Der Film ist trotz viel Action auch ein Charakterstück und ein Superhelden-Film mit überraschend viel Realismus und einer wirklich tollen Story. Ein wahres Meisterstück ist Nolan mit der Verpflichtung der zahlreichen Nebendarsteller gelungen. Michael Caine, Morgan Freeman, Liam Neeson, Gary Oldman, Rutger Hauer (lang, lang ist es her), Katie Holmes und anderen. Bei so viel Schauspielkunst werden auch durchschnittliche Dialogphrasen und langweiligere Szenen wesentlich interessanter und packender. Nicht ganz überraschend übertrumpft Christian Bale allerdings sämtliche Kollegen, und dies obwohl er sich im Kostüm wie ein völliger Idiot vorkam, wie er unlängst bekundete. Dass er ein begnadeter Schauspieler ist, konnte er bereits in Filmen wie "American Psycho" und "The Machinist" beweisen, doch dass er sogar maskiert gegen Oscar-Preisträger bestehen kann, zeigt sein immenses Talent.
Die Action gehört natürlich zu so einem Comicspektakel wie das rote Cape zu Superman. Obwohl Nolan nicht unbedingt Routine in der Darstellung von effektiven Kampfchoreografien hat, meistert er diese mit Bravour und sorgt für berauschende Szenen und beim Publikum für erhöhten Puls. Ohnehin zieht einen das Setting und die Atmosphäre des Films unweigerlich in seinen Bann. Keine lächerlichen und überdrehten Spinner als Bösewichter, keine dummen Teenagerwitze. Diesen Film kann man ernst nehmen, vor allem deswegen, weil sich dieser Film selbst auch ernst nimmt.
Fazit
Ein gelungener Neuanfang. Großartig besetztes, toll inszeniertes Actionspektakel. Weder bunt noch grell, dafür düster und realistisch. Regisseur Nolan rettet die Ikone der US-Popkultur ins neue Zeitalter und sorgt dafür, dass Christian Bale auch hinter der Maske brillieren kann. Wer braucht da noch Superman?
Produktion
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: David S. Goyer & Christopher Nolan
Darsteller
Christian Bale (Bruce Wayne)
Michael Caine (Alfred Pennyworth)
Liam Neeson (Henry Ducard)
Morgan Freeman (Lucius Fox)
Gary Oldman (Lt. James Gordon)
Ken Watanabe (Ras Al Ghul)
Katie Holmes (Rachel Dawes)
Inhalt
Als kleiner Junge erlebt Bruce Wayne die Ermordung seiner Eltern mit eigenen Augen. Traumatisiert durch dieses Ereignis wird er von der Sehnsucht nach Rache getrieben. Das Schicksal jedoch treibt ihn in die Berge Chinas, wo er Zuflucht bei einer geheimen Ninja-Vereinigung findet, die von Ra's Al-Ghul (Ken Watanabe) angeführt wird. Als ausgebildeter Kämpfer kehrt Bruce (Christian Bale) in seine mittlerweile heruntergekommene Heimatstadt Gotham City zurück. Die Stadt ist nun fest in Händen des organisierten Verbrechens. Die Entdeckung einer Höhle unter dem Grundstück seiner Eltern und der Prototyp eines gepanzerten Spezialanzugs vom WayneTech-Boss Lucius Fox (Morgan Freeman) erlauben es Bruce, eine neue Identität anzunehmen: Batman Begins!
Kritik
Bevor die positiven Aspekte dieses Films kurz beleuchtet werden, möchte ich mich erst den Schattenseiten zuwenden. Das Hauptproblem dieses Films ist das Problem fast aller Comicfilme: Wir erleben deren Anfang und wie der Held zu jener Figur geworden ist, die er nun ist. An sich keine schlechte Idee, würden wir die Geschichte von Batman nicht bereits seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) kennen und uns diese Art von Anfang aus zahlreichen anderen Filme bekannt vorkommen.
Nach erfolgtem Trauma wird der Held gezwungen, seine wahre Identität geheim zu halten, und während er im Verborgenen gegen allerlei Unheil ankämpft, spielt er im normalen Leben meist eher einen Spießer. Ich möchte wirklich einmal etwas anderes sehen. Vielleicht in der Art von: "Guten Morgen, Schatz, ich werde heute mal wieder die Welt retten" - oder wie wäre es mit einem Helden, der zu seinen Taten steht: "Vor dem Mittagessen habe ich eine Terrororganisation ausgelöscht, mit einer Horde Mutanten gekämpft, einer Oma über die Straße geholfen und ein Kätzchen heil vom Baum geholt. Yeah! Am Nachmittag werde ich meinen Werbevertrag bei Pepsi unterschreiben und Millionen verdienen, und würde meine Strumpfhose nicht so in meinem Schritt kneifen, wäre ich rundum glücklich." Schlicht und einfach mal etwas Neues.
"Batman Begins" ist also auch bloß wieder eine Art von Prequel - oder ein Remake, oder doch eher ein Pre-Sequel? So genau weiß das wohl keiner. Während wir also erneut erfahren, wie aus Bruce Wayne Batman wird, überrascht uns Regisseur Christopher Nolan damit, wie viel Zeit er sich für diese Einführung lässt. Die ersten 50 Minuten würde ich zwar nicht gerade als langweilig bezeichnen, aber durchaus als zäh. Dem Film selbst tut dies jedoch gut, denn dadurch befreit sich der zum peinlichen Halbbruder der Power Rangers avancierte Rächer des Rechts vom Image der clownhaften Adam-West-Figur, in welches Batman in dem letzten grässlichen Zelluloidmüll von Joel Schumacher geraten ist. Nolan und sein Drehbuchautor David S. Goyer ("Blade 1-3") erschaffen einen neuen Batman, einen mit echten, nachvollziehbaren Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen. Einen Helden mit Tiefe. Einen Menschen, der auch hinter einer Maske klar zu erkennen ist.
Eines kann nicht deutlich genug hervorgehoben werden: "Batman Begins" ist kein überladenes, klischeehaftes, kitschig buntes Eventmovie voller Peinlichkeiten. Der Film ist trotz viel Action auch ein Charakterstück und ein Superhelden-Film mit überraschend viel Realismus und einer wirklich tollen Story. Ein wahres Meisterstück ist Nolan mit der Verpflichtung der zahlreichen Nebendarsteller gelungen. Michael Caine, Morgan Freeman, Liam Neeson, Gary Oldman, Rutger Hauer (lang, lang ist es her), Katie Holmes und anderen. Bei so viel Schauspielkunst werden auch durchschnittliche Dialogphrasen und langweiligere Szenen wesentlich interessanter und packender. Nicht ganz überraschend übertrumpft Christian Bale allerdings sämtliche Kollegen, und dies obwohl er sich im Kostüm wie ein völliger Idiot vorkam, wie er unlängst bekundete. Dass er ein begnadeter Schauspieler ist, konnte er bereits in Filmen wie "American Psycho" und "The Machinist" beweisen, doch dass er sogar maskiert gegen Oscar-Preisträger bestehen kann, zeigt sein immenses Talent.
Die Action gehört natürlich zu so einem Comicspektakel wie das rote Cape zu Superman. Obwohl Nolan nicht unbedingt Routine in der Darstellung von effektiven Kampfchoreografien hat, meistert er diese mit Bravour und sorgt für berauschende Szenen und beim Publikum für erhöhten Puls. Ohnehin zieht einen das Setting und die Atmosphäre des Films unweigerlich in seinen Bann. Keine lächerlichen und überdrehten Spinner als Bösewichter, keine dummen Teenagerwitze. Diesen Film kann man ernst nehmen, vor allem deswegen, weil sich dieser Film selbst auch ernst nimmt.
Fazit
Ein gelungener Neuanfang. Großartig besetztes, toll inszeniertes Actionspektakel. Weder bunt noch grell, dafür düster und realistisch. Regisseur Nolan rettet die Ikone der US-Popkultur ins neue Zeitalter und sorgt dafür, dass Christian Bale auch hinter der Maske brillieren kann. Wer braucht da noch Superman?
Produktion
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: David S. Goyer & Christopher Nolan
Darsteller
Christian Bale (Bruce Wayne)
Michael Caine (Alfred Pennyworth)
Liam Neeson (Henry Ducard)
Morgan Freeman (Lucius Fox)
Gary Oldman (Lt. James Gordon)
Ken Watanabe (Ras Al Ghul)
Katie Holmes (Rachel Dawes)
Montag, 29. April 2013
"Total Recall" (Remake)
(Review von R. Sutter, Erschienen in der INCOMING MESSAGE VI - Ausgabe 120 (#173) - Oktober 2012)
Inhalt:
In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Erde in zwei grosse Gebiete aufgeteilt. Fabrikarbeiter Doug Quaid (Colin Farrell) lebt in der Kolonie (ehemaliges Australien) und arbeitet in der Vereinten Föderation Britanniens. Von seinem Leben gelangweilt, nimmt Quaid die Dienste von "Rekall" in Anspruch, um durch künstliche Erinnerungen ein Agentenabenteuer zu erleben. Doch "Rekall" stellt fest, dass in seinem Kopf bereits herum gepfuscht wurde und er ein Spion ist, welcher vom ebenso mächtigen wie zwielichtigen Kanzler Cohaagen gesucht wird…
Kritik:
Da es in den Shoppingmeilen Hollywoods offensichtlich keine Bücher zu kaufen gibt und man auch lieber Brettspiele wie "Schiffe versenken" ("Battleship") verfilmt statt sich womöglich eher storylastigen Computer-Games wie "System Shock", "Half-Life" oder "Deus Ex" zu bedienen, liegt es nahe, Remakes von alten Filmen zu drehen. Immerhin darf man von den Drehbuchautoren nicht erwarten, sich selbst eine Vision der Zukunft auszudenken und diese auf Papier zu bringen. Warum auch?
Nun, Remake stimmt bei "Total Recall" ohnehin nicht gänzlich, da diese Story auf der Philip-K.-Dick-Kurzgeschichte "We Can Remember It For You Wholesale" basiert. Dass man beim Anschauen dieses Streifens jedoch trotzdem an den alten Film von 1990 denken muss, haben sich die Macher selbst zuzuschreiben, weswegen auch ein direkter Vergleich erlaubt sein sollte. Nein, Colin Farrell besitzt bei Weitem nicht die Präsenz eines Arnold Schwarzeneggers, ein besserer Schauspieler ist Farrell aber allemal. Und nein, leider ist Regisseur Len Wiseman ("Underworld") nicht im Geringsten ein würdiger Nachfolger von Paul Verhoeven ("Robocop", "Starship Troopers"). Wiseman, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er sich durch nichts auszeichnet, liefert einen durchaus unterhaltsamen, stimmigen und in weiten Teilen sogar guten Science Fiction-Film ab. Eine persönliche Handschrift ist bei Wiseman allerdings in keinem seiner Streifen zu erkennen. Er ist der geborene Handwerker, der seine Filme ohne visuelle Einfälle oder Überraschungen fast fabrikartig abspult. "Total Recall" ist durchaus gelungen, aber dem Film fehlen Momente, die einem auch nach dem Abspann in Erinnerung bleiben. Das Setting ist stimmig, die Schauspieler machen ihre Sache gut und Kate Beckinsale (Miss Wiseman) hat sichtlich Spaß an der Rolle des Bad-Ass-Chicks und stiehlt allen die Show.
Langweilig ist der Film nie, aber blutleer und überraschend gewöhnlich. Trotz der tollen Effekte, die man jedoch alle irgendwie und irgendwo bereits gesehen hat. Die Schauwerte sind enorm. Die Referenzen, teilweise eben ungewollt, sind es leider auch. Die asiatischen Sets erinnern an "Blade Runner", die Fahrzeuge an "Minority Report", die Maschinen an "I, Robot". Dies geht so weiter bis zum Schluss. Und wenn "Total Recall" Ideen aus dem Vorgängerfilm übernimmt und diese leicht abwandelt, dann verlieren genau alle diese Szenen im direkten Vergleich völlig. Wenn sich Arnold Schwarzenegger im Original einen großen Sender aus der Nase ziehen muss, dann ist man als Zuschauer angewidert und glaubt fast, den Schmerz zu spüren. Szenen, die im Gedächtnis haften bleiben. Im neuen Streifen wird der Sender aus der Hand gezogen. Eine Szene. Überraschend clean, fast banal, schnell vergessen, aber leider bezeichnend für den ganzen Film.
Fazit:
Unfair möchte man nicht sein. Der Streifen hat minutenlange Verfolgungsjagden, zahlreiche wilde Kämpfe, massig Action. Zu sagen, der Film sei schlecht, ist völlig falsch. Ist er nicht einmal ansatzweise. Er ist einfach nur ein Kind seiner Zeit und versucht, es allen recht zu machen. Doch allen bedeutet in der heutigen Zeit schlicht und ergreifend ... allen Teens. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Etwas mehr Sorgfalt in die innere Logik der gezeigten Welt, ein wenig mehr Mühe in der Ausarbeitung der Figuren, ein paar visuelle Überraschungen, und der Film wäre mehr geworden als eine nett anzuschauende Mär, welche das Potenzial ihrer eigentlichen Grundidee erschreckend schnell und achtlos beiseite wischt. Vielleicht ist dies der Grund, weswegen auch der Zuschauer diesen Film trotz guter Unterhaltung schnell ad acta legen wird.
Produktion
Regie: Len Wiseman
Drehbuch: Kurt Wimmer, Ronald Shussett, Dann O'Bannon u.a.
Musik: Harry Gregson-Williams
Darsteller
Colin Farrell
Kate Beckinsale
Jessica Biel
Bryan Cranston
Inhalt:
In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die Erde in zwei grosse Gebiete aufgeteilt. Fabrikarbeiter Doug Quaid (Colin Farrell) lebt in der Kolonie (ehemaliges Australien) und arbeitet in der Vereinten Föderation Britanniens. Von seinem Leben gelangweilt, nimmt Quaid die Dienste von "Rekall" in Anspruch, um durch künstliche Erinnerungen ein Agentenabenteuer zu erleben. Doch "Rekall" stellt fest, dass in seinem Kopf bereits herum gepfuscht wurde und er ein Spion ist, welcher vom ebenso mächtigen wie zwielichtigen Kanzler Cohaagen gesucht wird…
Kritik:
Da es in den Shoppingmeilen Hollywoods offensichtlich keine Bücher zu kaufen gibt und man auch lieber Brettspiele wie "Schiffe versenken" ("Battleship") verfilmt statt sich womöglich eher storylastigen Computer-Games wie "System Shock", "Half-Life" oder "Deus Ex" zu bedienen, liegt es nahe, Remakes von alten Filmen zu drehen. Immerhin darf man von den Drehbuchautoren nicht erwarten, sich selbst eine Vision der Zukunft auszudenken und diese auf Papier zu bringen. Warum auch?
Nun, Remake stimmt bei "Total Recall" ohnehin nicht gänzlich, da diese Story auf der Philip-K.-Dick-Kurzgeschichte "We Can Remember It For You Wholesale" basiert. Dass man beim Anschauen dieses Streifens jedoch trotzdem an den alten Film von 1990 denken muss, haben sich die Macher selbst zuzuschreiben, weswegen auch ein direkter Vergleich erlaubt sein sollte. Nein, Colin Farrell besitzt bei Weitem nicht die Präsenz eines Arnold Schwarzeneggers, ein besserer Schauspieler ist Farrell aber allemal. Und nein, leider ist Regisseur Len Wiseman ("Underworld") nicht im Geringsten ein würdiger Nachfolger von Paul Verhoeven ("Robocop", "Starship Troopers"). Wiseman, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er sich durch nichts auszeichnet, liefert einen durchaus unterhaltsamen, stimmigen und in weiten Teilen sogar guten Science Fiction-Film ab. Eine persönliche Handschrift ist bei Wiseman allerdings in keinem seiner Streifen zu erkennen. Er ist der geborene Handwerker, der seine Filme ohne visuelle Einfälle oder Überraschungen fast fabrikartig abspult. "Total Recall" ist durchaus gelungen, aber dem Film fehlen Momente, die einem auch nach dem Abspann in Erinnerung bleiben. Das Setting ist stimmig, die Schauspieler machen ihre Sache gut und Kate Beckinsale (Miss Wiseman) hat sichtlich Spaß an der Rolle des Bad-Ass-Chicks und stiehlt allen die Show.
Langweilig ist der Film nie, aber blutleer und überraschend gewöhnlich. Trotz der tollen Effekte, die man jedoch alle irgendwie und irgendwo bereits gesehen hat. Die Schauwerte sind enorm. Die Referenzen, teilweise eben ungewollt, sind es leider auch. Die asiatischen Sets erinnern an "Blade Runner", die Fahrzeuge an "Minority Report", die Maschinen an "I, Robot". Dies geht so weiter bis zum Schluss. Und wenn "Total Recall" Ideen aus dem Vorgängerfilm übernimmt und diese leicht abwandelt, dann verlieren genau alle diese Szenen im direkten Vergleich völlig. Wenn sich Arnold Schwarzenegger im Original einen großen Sender aus der Nase ziehen muss, dann ist man als Zuschauer angewidert und glaubt fast, den Schmerz zu spüren. Szenen, die im Gedächtnis haften bleiben. Im neuen Streifen wird der Sender aus der Hand gezogen. Eine Szene. Überraschend clean, fast banal, schnell vergessen, aber leider bezeichnend für den ganzen Film.
Fazit:
Unfair möchte man nicht sein. Der Streifen hat minutenlange Verfolgungsjagden, zahlreiche wilde Kämpfe, massig Action. Zu sagen, der Film sei schlecht, ist völlig falsch. Ist er nicht einmal ansatzweise. Er ist einfach nur ein Kind seiner Zeit und versucht, es allen recht zu machen. Doch allen bedeutet in der heutigen Zeit schlicht und ergreifend ... allen Teens. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Etwas mehr Sorgfalt in die innere Logik der gezeigten Welt, ein wenig mehr Mühe in der Ausarbeitung der Figuren, ein paar visuelle Überraschungen, und der Film wäre mehr geworden als eine nett anzuschauende Mär, welche das Potenzial ihrer eigentlichen Grundidee erschreckend schnell und achtlos beiseite wischt. Vielleicht ist dies der Grund, weswegen auch der Zuschauer diesen Film trotz guter Unterhaltung schnell ad acta legen wird.
Produktion
Regie: Len Wiseman
Drehbuch: Kurt Wimmer, Ronald Shussett, Dann O'Bannon u.a.
Musik: Harry Gregson-Williams
Darsteller
Colin Farrell
Kate Beckinsale
Jessica Biel
Bryan Cranston
"Prometheus"
(Review von R. Sutter / Erschienen in der Trekzone Weekend Nr. 2603, 16.09.2012)
Inhalt:
Ein Forscherteam reist zu einem fernen Planeten, um dort nach dem Ursprung der menschlichen Rasse zu suchen. In einem außerirdischen Gewölbe finden sie rätselhafte Spuren möglicher Schöpfer.
Kritik:
Regisseur Ridley Scott hat ein Problem, um welches ihn viele seiner Kollegen beneiden. Er hat es geschafft, gleich zwei Filme zu drehen, die ein ganzes Genre beeinflusst haben und noch heute oft und gerne zitiert werden. "Alien" und "Blade Runner". Beide Filme sind inhaltlich durchaus kritikwürdig, visuell hingegen sind sie selbst heute noch über jeden Zweifel erhaben. Oder um es klarer auszudrücken: Meisterwerke.
Wenn also ein Altmeister wie Scott nach Jahrzehnten zur Science-Fiction zurückkehrt, dann erwartet der Zuschauer nichts weiter als einen neuen Meilenstein. Einen Film, der das Genre vorantreibt, Grenzen sprengt und sich nicht darauf verlässt, nonstop Actionszenen aneinanderzureihen und ein Computer-Effektgewitter zu liefern, die den etwas anspruchsvolleren Zuschauer inzwischen durch ihre Einfallslosigkeit nur noch langweilen. Ja, damit bist du gemeint, Peter Berg ("Battleship").
Eines gleich vorneweg: "Prometheus" ist ein berauschender, geradezu hervorragend inszenierter und glänzend gespielter Science-Fiction-Film mit einem wuchtigen Score, brillanten 3-D Effekten, fantastischem Set-Design, großartigem FX-Make-up und grandioser Atmosphäre. Man spürt, dass die Macher versucht haben, einen "echten" Science- Fiction-Film zu schaffen, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Ausgeklügelt, durchdacht, jederzeit stimmig. Wenn es auch nur einen Film dieses Genres gibt, den Sie sich dieses Jahr anschauen sollten, dann ist es wahrlich "Prometheus". Beim Betrachten des Streifens wird man förmlich hinein gesogen in diese bedrohliche Welt, deren Erkundung man mit Anspannung und grausiger Vorahnung verfolgt.
Die erste Stunde ist gemächlich, geradezu ruhig, doch ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Scott lässt sich Zeit. Hier müssen nicht gleich in den ersten fünf Minuten ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht werden, Tausende sterben und die Helden coole Oneliner zum besten geben. Hier werden Fragen gestellt, über die es sich nachzudenken lohnt. Fragen, bei denen man nicht unbedingt Antworten erwarten sollte. Ist es nicht das, was die Science-Fiction so faszinierend macht? Fragen der Menschheit nachzugehen, dem Grund zu folgen, woher wir kommen und wohin unser Weg führt. Was alles sein könnte?
Die Antworten darauf zu finden, ist die Sache des Zuschauers. Science-Fiction soll uns zum Nachdenken anregen, soll zulassen, dass wir unsere eigenen Schlüsse ziehen, soll zum Diskutieren anregen. "Prometheus" bietet ungemein viel Stoff. Man denke an den Androiden David (dargestellt vom großartigen Michael Fassbender). Die Menschen haben den Androiden geschaffen und starten nun zu einer Reise, um ihren eigenen Schöpfern zu begegnen. Die Möglichkeiten, die sich hier bieten, gehen weit über das hinaus, was uns die üblichen sündhaft teuren "Doofe-Aliens-wollen-die-Erde-erobern"-Filme bieten. Doch leider entfaltet "Prometheus" sein Potenzial bei Weitem nicht und versagt genau dort, wo es am Wichtigsten gewesen wäre. Bei der Story. Genauer gesagt, bei den Charakteren. So ziemlich jede Figur in diesem Film verhält sich so dumm, geradezu bescheuert. Man könnte meinen, Multimilliardär Weyland hätte für seine Expedition, deren Ziel immerhin die Beantwortung der größten Frage der Menschheit betrifft, eine Crew zusammengestellt, die aus Beavis und Butthead, Homer Simpson, Fry, Bender sowie Waldorf und Statler besteht. Wobei sich die beiden Letzteren zumindest nicht so dämlich aufführen wie die Figuren in "Prometheus". Sie möchten ein paar Beispiele? Nun gut ...
Achtung, Spoiler: Einer der Charaktere fragt, ob die Atmosphäre des Planeten für die Außenhülle des Raumschiffs eigentlich gefährlich ist. Wozu? Das Schiff fliegt bereits mitten hindurch. Ausgerechnet der Kartograph verirrt sich in einer Höhle, obschon seine technischen Maschinen, die er kurz zuvor durch die Gänge schweben lässt und die alles exakt aufzeichnen, locker zum Ausgang hätten weisen können. Der Biologe flieht angsterfüllt vor einem "toten" Alien, nur um dann nachher unbedingt eine "lebende" Kreatur anfassen zu wollen, deren höchst aggressives Klapperschlangengebaren eindeutig zeigt, dass man es hier nicht mit Bambi zu tun hat. Oder wie wäre es damit: Man hat eben das größte Rätsel der Menschheit gelöst. Was tut man? Zeit nutzen, weiterforschen? Nein, man spielt eine Runde Billard, hat Sex, kifft und besäuft sich. Wenn das die Elite der Menschheit ist, dann versteht man den Grund für das Verhalten der Schöpfer nur zu gut. Leider sind die Figuren in diesem Film allesamt Idioten oder Arbeitsverweigerer wie beispielsweise der waffenstarrende Sicherheitschef, der - statt die Forscher zu schützen - im Raumschiff bleibt und Däumchen dreht. Spoiler Ende.
Fazit: Enttäuschend, geradezu ärgerlich, viel verschenktes Potenzial in einem ansonsten grandios inszenierten Science-Fiction-Film. Anschauen lohnt sich dennoch.
Produktion
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Jon Spaiths, Damon Lindelof
Musik: Marc Streitenfeld
Darsteller
Noomi Rapace
Michael Fassbender
Charlize Theron
Idris Elba
Guy Pearce
Inhalt:
Ein Forscherteam reist zu einem fernen Planeten, um dort nach dem Ursprung der menschlichen Rasse zu suchen. In einem außerirdischen Gewölbe finden sie rätselhafte Spuren möglicher Schöpfer.
Kritik:
Regisseur Ridley Scott hat ein Problem, um welches ihn viele seiner Kollegen beneiden. Er hat es geschafft, gleich zwei Filme zu drehen, die ein ganzes Genre beeinflusst haben und noch heute oft und gerne zitiert werden. "Alien" und "Blade Runner". Beide Filme sind inhaltlich durchaus kritikwürdig, visuell hingegen sind sie selbst heute noch über jeden Zweifel erhaben. Oder um es klarer auszudrücken: Meisterwerke.
Wenn also ein Altmeister wie Scott nach Jahrzehnten zur Science-Fiction zurückkehrt, dann erwartet der Zuschauer nichts weiter als einen neuen Meilenstein. Einen Film, der das Genre vorantreibt, Grenzen sprengt und sich nicht darauf verlässt, nonstop Actionszenen aneinanderzureihen und ein Computer-Effektgewitter zu liefern, die den etwas anspruchsvolleren Zuschauer inzwischen durch ihre Einfallslosigkeit nur noch langweilen. Ja, damit bist du gemeint, Peter Berg ("Battleship").
Eines gleich vorneweg: "Prometheus" ist ein berauschender, geradezu hervorragend inszenierter und glänzend gespielter Science-Fiction-Film mit einem wuchtigen Score, brillanten 3-D Effekten, fantastischem Set-Design, großartigem FX-Make-up und grandioser Atmosphäre. Man spürt, dass die Macher versucht haben, einen "echten" Science- Fiction-Film zu schaffen, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Ausgeklügelt, durchdacht, jederzeit stimmig. Wenn es auch nur einen Film dieses Genres gibt, den Sie sich dieses Jahr anschauen sollten, dann ist es wahrlich "Prometheus". Beim Betrachten des Streifens wird man förmlich hinein gesogen in diese bedrohliche Welt, deren Erkundung man mit Anspannung und grausiger Vorahnung verfolgt.
Die erste Stunde ist gemächlich, geradezu ruhig, doch ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Scott lässt sich Zeit. Hier müssen nicht gleich in den ersten fünf Minuten ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht werden, Tausende sterben und die Helden coole Oneliner zum besten geben. Hier werden Fragen gestellt, über die es sich nachzudenken lohnt. Fragen, bei denen man nicht unbedingt Antworten erwarten sollte. Ist es nicht das, was die Science-Fiction so faszinierend macht? Fragen der Menschheit nachzugehen, dem Grund zu folgen, woher wir kommen und wohin unser Weg führt. Was alles sein könnte?
Die Antworten darauf zu finden, ist die Sache des Zuschauers. Science-Fiction soll uns zum Nachdenken anregen, soll zulassen, dass wir unsere eigenen Schlüsse ziehen, soll zum Diskutieren anregen. "Prometheus" bietet ungemein viel Stoff. Man denke an den Androiden David (dargestellt vom großartigen Michael Fassbender). Die Menschen haben den Androiden geschaffen und starten nun zu einer Reise, um ihren eigenen Schöpfern zu begegnen. Die Möglichkeiten, die sich hier bieten, gehen weit über das hinaus, was uns die üblichen sündhaft teuren "Doofe-Aliens-wollen-die-Erde-erobern"-Filme bieten. Doch leider entfaltet "Prometheus" sein Potenzial bei Weitem nicht und versagt genau dort, wo es am Wichtigsten gewesen wäre. Bei der Story. Genauer gesagt, bei den Charakteren. So ziemlich jede Figur in diesem Film verhält sich so dumm, geradezu bescheuert. Man könnte meinen, Multimilliardär Weyland hätte für seine Expedition, deren Ziel immerhin die Beantwortung der größten Frage der Menschheit betrifft, eine Crew zusammengestellt, die aus Beavis und Butthead, Homer Simpson, Fry, Bender sowie Waldorf und Statler besteht. Wobei sich die beiden Letzteren zumindest nicht so dämlich aufführen wie die Figuren in "Prometheus". Sie möchten ein paar Beispiele? Nun gut ...
Achtung, Spoiler: Einer der Charaktere fragt, ob die Atmosphäre des Planeten für die Außenhülle des Raumschiffs eigentlich gefährlich ist. Wozu? Das Schiff fliegt bereits mitten hindurch. Ausgerechnet der Kartograph verirrt sich in einer Höhle, obschon seine technischen Maschinen, die er kurz zuvor durch die Gänge schweben lässt und die alles exakt aufzeichnen, locker zum Ausgang hätten weisen können. Der Biologe flieht angsterfüllt vor einem "toten" Alien, nur um dann nachher unbedingt eine "lebende" Kreatur anfassen zu wollen, deren höchst aggressives Klapperschlangengebaren eindeutig zeigt, dass man es hier nicht mit Bambi zu tun hat. Oder wie wäre es damit: Man hat eben das größte Rätsel der Menschheit gelöst. Was tut man? Zeit nutzen, weiterforschen? Nein, man spielt eine Runde Billard, hat Sex, kifft und besäuft sich. Wenn das die Elite der Menschheit ist, dann versteht man den Grund für das Verhalten der Schöpfer nur zu gut. Leider sind die Figuren in diesem Film allesamt Idioten oder Arbeitsverweigerer wie beispielsweise der waffenstarrende Sicherheitschef, der - statt die Forscher zu schützen - im Raumschiff bleibt und Däumchen dreht. Spoiler Ende.
Fazit: Enttäuschend, geradezu ärgerlich, viel verschenktes Potenzial in einem ansonsten grandios inszenierten Science-Fiction-Film. Anschauen lohnt sich dennoch.
Produktion
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Jon Spaiths, Damon Lindelof
Musik: Marc Streitenfeld
Darsteller
Noomi Rapace
Michael Fassbender
Charlize Theron
Idris Elba
Guy Pearce
"District 9"
(Review von R. Sutter, 2009)
Inhalt:
Ach, die guten alten Zeiten. War früher nicht alles besser? Die Welt war so einfach. Schwarz war schwarz und weiss war weiss. Doch heute? Heute ist alles anders. Alles ist komplizierter geworden. Und auf nichts kann man mehr vertrauen. Auf gar nichts. Furchtbar. In der guten alten Zeit wusste man, dass Aliens vorwiegend hässlich, übermächtig und immer in den USA landen würden, um von dort aus ihre finsteren Weltherrschaftsansprüche zu vertreten. Doch heute? Heute landen sie in Johannisburg, verstehen von Technik soviel wie ich von Quantenmechanik, fressen Katzenfutter statt Menschen und wollen eigentlich nur ein Dach über dem Kopf. Zwanzig Jahre nach ihrer Ankunft sollen sie dann aus ihren Slums in ein Konzentrationslager… pardon, ein gemütliches kleines Exil, umgesiedelt werden. Der Holländer Wikus van der Merwe darf sich dabei unfreiwillig in die Lage derer versetzen, die er eben noch voller Hingabe und Freude aus deren Heim vertrieben hat.
Kritik:
Für mich ist dieser Streifen die Film-Überraschung des Jahres. Und zwar in allen Bereichen. Er tauchte völlig unerwartet auf, präsentiert sich als eine Mischung aus "Cloverfield", "Michael Moore-Dokumentation" und dem PC-Game "Half Life", kostete schlappe 30 Millionen Dollar und besitzt dabei die besseren Effekte als so manche 200 Millionen Produktion. Das Tolle an diesem Streifen ist jedoch folgendes: er ist origineller, tiefgründiger, intelligenter und spannender als die sündhaft teuren und auf Hochglanz polierten Genreproduktionen der letzten paar Monate.
"District 9" gibt (zuweilen) vor, eine Dokumentation zu sein. Diese zeigt die Ereignisse einer geplanten Umsiedlung von Aliens. Dies wirkt zunächst womöglich ungewohnt, kaschiert aber einerseits clever das geringe Budget und trägt überdies viel zur Authentizität der Story bei. Der Einstieg gelingt perfekt. Zu Beginn klären uns offizielle Regierungssprecher und Zeitzeugen über die Geschehnisse auf, dann folgen wir dem scheinbar ziemlich naiven, aber zunächst durchaus sympathischen Wikus in die abgesperrte Zone. Dort lernen wir die ekligen Aliens, abfällig als Schrimps bezeichnet, kennen, welche in den schlimmsten Zuständen vor sich hin vegetieren und schnell Mitleid erregen.
Der Film wirkt bewusst wie eine Apartheitsparabel. Der Distrikt entpuppt sich als Slum der schlimmsten, weil realen Sorte und bereits nach ein paar Minuten wird klar, warum dies kein Hollywood Film ist - ja, es nicht sein kann. Doch statt darauf herumzureiten und die Moralkeule zu schwingen, bleibt Regisseur Blomkamp bei seiner ambivalenten Hauptfigur und sorgt für eine überaus intensive und stimmige Geschichte, ohne wirklich Partei zu ergreifen. Er zeigt wie es eben ist, wie sich der Mensch verhält. Keine strahlenden Helden, echte Menschen mit Ecken und Kanten, mit Ängsten und Träumen. Hauptfigur Wikus ist der wohl interessanteste Charakter, der mir in diesem Gerne seit Jahren untergekommen ist. Zu Beginn charmant und nett, dann clever, kalt und berechnend, zuweilen unfair und fies, aber seine Entscheidungen sind doch immer nachvollziehbar und, obwohl sie dem Zuschauer nicht immer gefallen werden, nur allzu menschlich. Ein grosses Lob geht darum auch an den charismatischen Schauspieler Sharlto Copley, der hier eine grandiose Performance abliefert.
Die Story selbst ist überraschend, schockierend, witzig, bizarr, eklig und clever. Aber es gibt natürlich trotzdem ein paar Ungereimtheiten. So verhält sich die MNU zuweilen etwas doof, die Aliens scheinen bis auf drei Ausnahmen alle extrem unterbelichtet zu sein, was nicht recht passen will. Einige wichtige Informationen werden dem Zuschauer vorenthalten, und das Ende ist eigentlich kein richtiges Ende. Man könnte hier zwei Dutzend weitere Gründe aufführen, die dem einen oder anderen Zuschauer sauer aufstossen könnten, aber unterm Strich bleibt "District 9" ein packender Sci-Fi-Film mit ungewöhnlichem Setting.
Fazit:
Endlich! Wie lange warte ich nun schon auf einen neuen originellen Sci-Fi-Film, der die klischeebeladenen, immer gleichen Idee beiseite lässt und mal einen neuen frischen Ansatz wählt. Einige denken womöglich an "Alien Nation", doch die Filme könnten nicht unterschiedlicher sein. "District 9" ist eine exzellente Visitenkarte vom beinahe "Halo"-Regisseur Neill Blomkamp (und auch gleich eine nette Ohrfeige für Microsoft). Ein actionreiches Drama mit satirischen Untertönen, dass von Minute zu Minute an Tempo hinzugewinnt und beweist, das man für einen guten Film noch lange kein exorbitantes Budget benötigt, sondern einfach etwas Hirn und Herzblut.
Produktion
Produzent: Peter Jackson
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp, Terry Tatchell
Darsteller:
Sharlto Copley (als Wikus Van de Merwe)
Inhalt:
Ach, die guten alten Zeiten. War früher nicht alles besser? Die Welt war so einfach. Schwarz war schwarz und weiss war weiss. Doch heute? Heute ist alles anders. Alles ist komplizierter geworden. Und auf nichts kann man mehr vertrauen. Auf gar nichts. Furchtbar. In der guten alten Zeit wusste man, dass Aliens vorwiegend hässlich, übermächtig und immer in den USA landen würden, um von dort aus ihre finsteren Weltherrschaftsansprüche zu vertreten. Doch heute? Heute landen sie in Johannisburg, verstehen von Technik soviel wie ich von Quantenmechanik, fressen Katzenfutter statt Menschen und wollen eigentlich nur ein Dach über dem Kopf. Zwanzig Jahre nach ihrer Ankunft sollen sie dann aus ihren Slums in ein Konzentrationslager… pardon, ein gemütliches kleines Exil, umgesiedelt werden. Der Holländer Wikus van der Merwe darf sich dabei unfreiwillig in die Lage derer versetzen, die er eben noch voller Hingabe und Freude aus deren Heim vertrieben hat.
Kritik:
Für mich ist dieser Streifen die Film-Überraschung des Jahres. Und zwar in allen Bereichen. Er tauchte völlig unerwartet auf, präsentiert sich als eine Mischung aus "Cloverfield", "Michael Moore-Dokumentation" und dem PC-Game "Half Life", kostete schlappe 30 Millionen Dollar und besitzt dabei die besseren Effekte als so manche 200 Millionen Produktion. Das Tolle an diesem Streifen ist jedoch folgendes: er ist origineller, tiefgründiger, intelligenter und spannender als die sündhaft teuren und auf Hochglanz polierten Genreproduktionen der letzten paar Monate.
"District 9" gibt (zuweilen) vor, eine Dokumentation zu sein. Diese zeigt die Ereignisse einer geplanten Umsiedlung von Aliens. Dies wirkt zunächst womöglich ungewohnt, kaschiert aber einerseits clever das geringe Budget und trägt überdies viel zur Authentizität der Story bei. Der Einstieg gelingt perfekt. Zu Beginn klären uns offizielle Regierungssprecher und Zeitzeugen über die Geschehnisse auf, dann folgen wir dem scheinbar ziemlich naiven, aber zunächst durchaus sympathischen Wikus in die abgesperrte Zone. Dort lernen wir die ekligen Aliens, abfällig als Schrimps bezeichnet, kennen, welche in den schlimmsten Zuständen vor sich hin vegetieren und schnell Mitleid erregen.
Der Film wirkt bewusst wie eine Apartheitsparabel. Der Distrikt entpuppt sich als Slum der schlimmsten, weil realen Sorte und bereits nach ein paar Minuten wird klar, warum dies kein Hollywood Film ist - ja, es nicht sein kann. Doch statt darauf herumzureiten und die Moralkeule zu schwingen, bleibt Regisseur Blomkamp bei seiner ambivalenten Hauptfigur und sorgt für eine überaus intensive und stimmige Geschichte, ohne wirklich Partei zu ergreifen. Er zeigt wie es eben ist, wie sich der Mensch verhält. Keine strahlenden Helden, echte Menschen mit Ecken und Kanten, mit Ängsten und Träumen. Hauptfigur Wikus ist der wohl interessanteste Charakter, der mir in diesem Gerne seit Jahren untergekommen ist. Zu Beginn charmant und nett, dann clever, kalt und berechnend, zuweilen unfair und fies, aber seine Entscheidungen sind doch immer nachvollziehbar und, obwohl sie dem Zuschauer nicht immer gefallen werden, nur allzu menschlich. Ein grosses Lob geht darum auch an den charismatischen Schauspieler Sharlto Copley, der hier eine grandiose Performance abliefert.
Die Story selbst ist überraschend, schockierend, witzig, bizarr, eklig und clever. Aber es gibt natürlich trotzdem ein paar Ungereimtheiten. So verhält sich die MNU zuweilen etwas doof, die Aliens scheinen bis auf drei Ausnahmen alle extrem unterbelichtet zu sein, was nicht recht passen will. Einige wichtige Informationen werden dem Zuschauer vorenthalten, und das Ende ist eigentlich kein richtiges Ende. Man könnte hier zwei Dutzend weitere Gründe aufführen, die dem einen oder anderen Zuschauer sauer aufstossen könnten, aber unterm Strich bleibt "District 9" ein packender Sci-Fi-Film mit ungewöhnlichem Setting.
Fazit:
Endlich! Wie lange warte ich nun schon auf einen neuen originellen Sci-Fi-Film, der die klischeebeladenen, immer gleichen Idee beiseite lässt und mal einen neuen frischen Ansatz wählt. Einige denken womöglich an "Alien Nation", doch die Filme könnten nicht unterschiedlicher sein. "District 9" ist eine exzellente Visitenkarte vom beinahe "Halo"-Regisseur Neill Blomkamp (und auch gleich eine nette Ohrfeige für Microsoft). Ein actionreiches Drama mit satirischen Untertönen, dass von Minute zu Minute an Tempo hinzugewinnt und beweist, das man für einen guten Film noch lange kein exorbitantes Budget benötigt, sondern einfach etwas Hirn und Herzblut.
Produktion
Produzent: Peter Jackson
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp, Terry Tatchell
Darsteller:
Sharlto Copley (als Wikus Van de Merwe)
"Transformers 2 - Revenge of the Fallen"
(Review von R. Sutter)
Inhalt:
Nette Roboter kämpfen gegen böse Roboter in der Stadt. Nette Roboter kämpfen gegen böse Roboter im Wald. Nette Roboter kämpfen gegen böse Roboter bei den Pyramiden. Dazwischen: dumme Teens, dumme Eltern, dumme Soldaten.
Kritik:
Absolut genial. Ehrlich jetzt. Es ist unglaublich, geradezu phänomenal, meisterlich, vortrefflich wie man es schafft, ein Nichts von einer Story auf zweieinhalb Stunden aufzublähen. Respekt.
Es ist etwa zwei Jahre her, als Actionmeister Michael Bay mit "Transformers" mit viel Witz und noch mehr Action (wie so oft) die Kinoleinwände eroberte. Bay hatte nach dem phänomenalen Erfolg 200 Millionen Dollar für die Fortsetzung zur Verfügung und jeder, der "Revenge of the Fallen" gesehen hat, weiss, wohin die Kohle geflossen ist. Genau! In den Abfluss… äh… pardon, ich meinte natürlich, in noch aufsehenerregende Actionszenen. Für den Film bediente sich Bay der üblichen Hollywood-Fortsetzungs-Regel für Actionfilme. (Fast) alles wird verdoppelt. Doppelt so viele Roboter, doppelt so viel Action, doppelt so viele Plotlöcher. Es ist verständlich, dass auf unnötiges Beiwerk verzichtet wird. Story? Braucht es nicht! Logik? Unnütz! Überraschungen? Unnötig! Sympathische Figuren? Entbehrlich! Glaubwürdigkeit? Überflüssig! Wie bitte, Glaubwürdigkeit? Hallo? In dem Streifen geht’s um Roboter, die sich gegenseitig die Rübe einschlagen und sich gerne mal am Bein von Megan Fox einen abwedeln, erwartet der Schreiber dieser Zeilen wirklich so was wie Glaubwürdigkeit? Sagen wir mal, Intelligenz erwartet der Schreiberling sicherlich nicht, aber es wirkt beispielsweise ziemlich abstrus, dass das FBI eine ultrageheime Sondereinheit, bestehend aus Soldaten und den heroischen Autobots, unterhält, die zwei Jahre lang gegen die fiesen Decepticons vorgehen können, ohne je wirklich entdeckt zu werden. Dass dabei auch schon mal ein hochhausgrosser Transformer ein ganzes Stadtviertel in Schutt und Asche legt und dies lediglich von ein paar einzelnen Typen einer Millionenstadt bemerkt wird, ist etwas arg lächerlich. Aber dies ist ja auch nur eines von vielen Details, welche den fantastisch aussehenden Actionkracher völlig stumpfsinnig macht.
Das einzig wirklich gute in dem Streifen sind die Tricks. Bombastisch. Zahlreich. Alles beherrschend, doch mit fortlaufender Handlung (ops, sagte ich tatsächlich gerade Handlung?) immer mehr anödend. Es gibt nichts, das wir zuvor nicht schon gesehen hätte. Zugegeben, nicht in dem Masse, aber dennoch arg repetierend. Nach dem x-ten Robokampf, verliert der Film einfach seinen Drive, zumal ihm mit fortlaufender Dauer auch die Spannung abhanden kommt und er massig bei seinem ersten Teil klaut. Wie oft uns Bay in seinen Filmen noch irgendwelche Militärs auf irgendwelchen Rollfeldern bei irgendwelchen Sonnenuntergängen in irgendwelchen Zeitlupensequenzen zeigen will, wird eines der ungelösten Rätsel bleiben. Wahrscheinlich will er einfach seine eigene Referenz, so wie die ewigen Szenen von aufsteigenden Tauben, in den Werken eines John Woo ("Face off").
Der Film wäre erträglicher, wenn die Dialoge nicht so strunzdumm wären und der Humor nicht so triefend MTV-like. Dagegen wirken Beavis und Butthead geradezu feingeistig und kultiviert, aber "Transformers 2" versagt leider in jedem Bereich ausserhalb der Special Effects.
Hauptdarsteller Shia LaBeouf rennt die ganze Zeit von irgendwelchen Transformers weg. Im zur Seite steht der übliche doofe Sidekick, der nur rumnervt, aber so amüsant ist wie eine strickende Oma im Schaukelstuhl. Megan Fox bereichert den Film derweil durch ihre aufregenden Kurven. Im nächsten Teil könnte man sich ihre Gage komplett sparen und in jedem Raum ein Poster von ihr aufhängen. Mehr als ein Pin-Up ist sie nicht. Mehr gibt sie nicht her und mehr will man von ihr auch gar nicht sehen, da ihr Charakter so einfallslos ist. Kein Wunder wollten die Drehbuchautoren Fox ursprünglich gar nicht im Film haben. Wenn man es genau nimmt, ist der ganze Streifen der ultimative feuchte Traum eines jeden vorpupertären Nerds. Ein totaler Loser rettet mal eben mit ein paar Robotern erneut die Welt und, die oberheisse Supermegabraut hat nur Augen für ihn. Sind wir ehrlich, welcher Kerl träumt nicht davon? Klar, in "Transformers 2" geht es vor allem um die Action, aber inszenatorisch bleibt alles wie gehabt. Zuweilen erkennt man nicht, wer nun gerade wem die Stahlfaust ins Metalgesicht schlägt, und so manche Szene ist so rasant geschnitten, dass man nicht einmal erkennt ob es überhaupt eine Faust ist und wohin sie eigentlich schlägt. Zeitlupen gibt’s trotzdem, ist ja schliesslich ein Michael-Bay-Film, keine Frage. Auch die Roboter selbst wirken vornehmlich wie Karikaturen. Im ersten Teil schienen sie noch so was wie Charakter zu haben, hier gibt’s einfach den Rammlerbot, den Pinklerbot, den Seniorenbot, die japanischen Dancebots und die Kanonenfutterbots. Einzig allein der gute alte Bumblebee weiss zu gefallen.
Fazit:
Der Film ist unglaublich dumm und doof. Die Macher gaben sich nicht einmal die Mühe, die grenzenlose Dummheit ihres Werkes vor dem Publikum zu verstecken, weil sie annahmen, dass der Zuschauer ohnehin nur die Schauwerte bewundert und alles andere egal ist. Funktioniert tatsächlich ganz hervorragend. Man fühlt sich einigermassen gut unterhalten und die zahlreichen Explosionen lenken ab. Die Story ist typischer Blockbuster-Heldenkram und wäre damit gerade noch akzeptabel, aber sie ist schlecht, ja geradezu stümperhaft, erzählt. Keine Zeit für irgendeine Art von Entwicklung, man spurtet von einer Actionsequenz in die nächste und präsentiert dazwischen Gags, die man sonst nur in ultratrashigen College-Movies erlebt. Soll ich Michael Bay dafür kritisieren, dass er genau den Film gemacht hat, denn das Publikum scheinbar will? Er hat mit dem (für seine Verhältnisse) cleveren Thriller "The Island" bewiesen, dass er intelligente Popcorn-Actionfilme machen kann. Der Streifen floppte gnadenlos. Somit geht er mit "Transformers 2" eben auf Nummer sicher, denn der Film ist für das genügsame Hirn-aus-Publikum gedreht geworden. Wir Zuschauer sollten uns nicht beleidigt fühlen, aber uns womöglich hinterfragen, ob wir inzwischen wirklich so wenig Anspruch an Filme dieser Art stellen. Die Einnahmen geben Bay recht. Über 600 Millionen Dollar hat der Streifen in kürzester Zeit eingespielt. Was ist falsch daran? Nichts. Absolut gar nichts. Peinlich ist es trotzdem. Nicht für Bay, nicht für das Studio, sondern nur für uns.
Produktion
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Ehren Kruger, Roberto Orci, Alex Kurtzman
Darsteller:
Shia LaBeouf (als Sam Witwicky)
Megan Fox (als Pin-Up Mikaela)
John Torturro (als Agent Simmons)
Inhalt:
Nette Roboter kämpfen gegen böse Roboter in der Stadt. Nette Roboter kämpfen gegen böse Roboter im Wald. Nette Roboter kämpfen gegen böse Roboter bei den Pyramiden. Dazwischen: dumme Teens, dumme Eltern, dumme Soldaten.
Kritik:
Absolut genial. Ehrlich jetzt. Es ist unglaublich, geradezu phänomenal, meisterlich, vortrefflich wie man es schafft, ein Nichts von einer Story auf zweieinhalb Stunden aufzublähen. Respekt.
Es ist etwa zwei Jahre her, als Actionmeister Michael Bay mit "Transformers" mit viel Witz und noch mehr Action (wie so oft) die Kinoleinwände eroberte. Bay hatte nach dem phänomenalen Erfolg 200 Millionen Dollar für die Fortsetzung zur Verfügung und jeder, der "Revenge of the Fallen" gesehen hat, weiss, wohin die Kohle geflossen ist. Genau! In den Abfluss… äh… pardon, ich meinte natürlich, in noch aufsehenerregende Actionszenen. Für den Film bediente sich Bay der üblichen Hollywood-Fortsetzungs-Regel für Actionfilme. (Fast) alles wird verdoppelt. Doppelt so viele Roboter, doppelt so viel Action, doppelt so viele Plotlöcher. Es ist verständlich, dass auf unnötiges Beiwerk verzichtet wird. Story? Braucht es nicht! Logik? Unnütz! Überraschungen? Unnötig! Sympathische Figuren? Entbehrlich! Glaubwürdigkeit? Überflüssig! Wie bitte, Glaubwürdigkeit? Hallo? In dem Streifen geht’s um Roboter, die sich gegenseitig die Rübe einschlagen und sich gerne mal am Bein von Megan Fox einen abwedeln, erwartet der Schreiber dieser Zeilen wirklich so was wie Glaubwürdigkeit? Sagen wir mal, Intelligenz erwartet der Schreiberling sicherlich nicht, aber es wirkt beispielsweise ziemlich abstrus, dass das FBI eine ultrageheime Sondereinheit, bestehend aus Soldaten und den heroischen Autobots, unterhält, die zwei Jahre lang gegen die fiesen Decepticons vorgehen können, ohne je wirklich entdeckt zu werden. Dass dabei auch schon mal ein hochhausgrosser Transformer ein ganzes Stadtviertel in Schutt und Asche legt und dies lediglich von ein paar einzelnen Typen einer Millionenstadt bemerkt wird, ist etwas arg lächerlich. Aber dies ist ja auch nur eines von vielen Details, welche den fantastisch aussehenden Actionkracher völlig stumpfsinnig macht.
Das einzig wirklich gute in dem Streifen sind die Tricks. Bombastisch. Zahlreich. Alles beherrschend, doch mit fortlaufender Handlung (ops, sagte ich tatsächlich gerade Handlung?) immer mehr anödend. Es gibt nichts, das wir zuvor nicht schon gesehen hätte. Zugegeben, nicht in dem Masse, aber dennoch arg repetierend. Nach dem x-ten Robokampf, verliert der Film einfach seinen Drive, zumal ihm mit fortlaufender Dauer auch die Spannung abhanden kommt und er massig bei seinem ersten Teil klaut. Wie oft uns Bay in seinen Filmen noch irgendwelche Militärs auf irgendwelchen Rollfeldern bei irgendwelchen Sonnenuntergängen in irgendwelchen Zeitlupensequenzen zeigen will, wird eines der ungelösten Rätsel bleiben. Wahrscheinlich will er einfach seine eigene Referenz, so wie die ewigen Szenen von aufsteigenden Tauben, in den Werken eines John Woo ("Face off").
Der Film wäre erträglicher, wenn die Dialoge nicht so strunzdumm wären und der Humor nicht so triefend MTV-like. Dagegen wirken Beavis und Butthead geradezu feingeistig und kultiviert, aber "Transformers 2" versagt leider in jedem Bereich ausserhalb der Special Effects.
Hauptdarsteller Shia LaBeouf rennt die ganze Zeit von irgendwelchen Transformers weg. Im zur Seite steht der übliche doofe Sidekick, der nur rumnervt, aber so amüsant ist wie eine strickende Oma im Schaukelstuhl. Megan Fox bereichert den Film derweil durch ihre aufregenden Kurven. Im nächsten Teil könnte man sich ihre Gage komplett sparen und in jedem Raum ein Poster von ihr aufhängen. Mehr als ein Pin-Up ist sie nicht. Mehr gibt sie nicht her und mehr will man von ihr auch gar nicht sehen, da ihr Charakter so einfallslos ist. Kein Wunder wollten die Drehbuchautoren Fox ursprünglich gar nicht im Film haben. Wenn man es genau nimmt, ist der ganze Streifen der ultimative feuchte Traum eines jeden vorpupertären Nerds. Ein totaler Loser rettet mal eben mit ein paar Robotern erneut die Welt und, die oberheisse Supermegabraut hat nur Augen für ihn. Sind wir ehrlich, welcher Kerl träumt nicht davon? Klar, in "Transformers 2" geht es vor allem um die Action, aber inszenatorisch bleibt alles wie gehabt. Zuweilen erkennt man nicht, wer nun gerade wem die Stahlfaust ins Metalgesicht schlägt, und so manche Szene ist so rasant geschnitten, dass man nicht einmal erkennt ob es überhaupt eine Faust ist und wohin sie eigentlich schlägt. Zeitlupen gibt’s trotzdem, ist ja schliesslich ein Michael-Bay-Film, keine Frage. Auch die Roboter selbst wirken vornehmlich wie Karikaturen. Im ersten Teil schienen sie noch so was wie Charakter zu haben, hier gibt’s einfach den Rammlerbot, den Pinklerbot, den Seniorenbot, die japanischen Dancebots und die Kanonenfutterbots. Einzig allein der gute alte Bumblebee weiss zu gefallen.
Fazit:
Der Film ist unglaublich dumm und doof. Die Macher gaben sich nicht einmal die Mühe, die grenzenlose Dummheit ihres Werkes vor dem Publikum zu verstecken, weil sie annahmen, dass der Zuschauer ohnehin nur die Schauwerte bewundert und alles andere egal ist. Funktioniert tatsächlich ganz hervorragend. Man fühlt sich einigermassen gut unterhalten und die zahlreichen Explosionen lenken ab. Die Story ist typischer Blockbuster-Heldenkram und wäre damit gerade noch akzeptabel, aber sie ist schlecht, ja geradezu stümperhaft, erzählt. Keine Zeit für irgendeine Art von Entwicklung, man spurtet von einer Actionsequenz in die nächste und präsentiert dazwischen Gags, die man sonst nur in ultratrashigen College-Movies erlebt. Soll ich Michael Bay dafür kritisieren, dass er genau den Film gemacht hat, denn das Publikum scheinbar will? Er hat mit dem (für seine Verhältnisse) cleveren Thriller "The Island" bewiesen, dass er intelligente Popcorn-Actionfilme machen kann. Der Streifen floppte gnadenlos. Somit geht er mit "Transformers 2" eben auf Nummer sicher, denn der Film ist für das genügsame Hirn-aus-Publikum gedreht geworden. Wir Zuschauer sollten uns nicht beleidigt fühlen, aber uns womöglich hinterfragen, ob wir inzwischen wirklich so wenig Anspruch an Filme dieser Art stellen. Die Einnahmen geben Bay recht. Über 600 Millionen Dollar hat der Streifen in kürzester Zeit eingespielt. Was ist falsch daran? Nichts. Absolut gar nichts. Peinlich ist es trotzdem. Nicht für Bay, nicht für das Studio, sondern nur für uns.
Produktion
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Ehren Kruger, Roberto Orci, Alex Kurtzman
Darsteller:
Shia LaBeouf (als Sam Witwicky)
Megan Fox (als Pin-Up Mikaela)
John Torturro (als Agent Simmons)
"Terminator - Salvation"
(Review von R. Sutter. Erschienen im TZ-Network, 2009)
Inhalt:
Kritik:
Das Potential ist ohne Fragen vorhanden und blitzt während des ganzen Films immer mal wieder durch. Meist ungenutzt. Am schlimmsten trifft dies auf John Connor (Christian Bale, "The Dark Knight") zu. In den drei vorangegangenen Teile wurde J.C. zur Widerstandsikone hochstilisiert, zum starken, charismatischen Führer, Kämpfer und Stratege. Ihm werden die Menschenmassen folgen, zu ihm werden sie nach dem Fallout aufschauen. Und warum? Weil er die Massen mit Geschick umgarnen oder sie mit ausgeklügelten taktischen Manöver überraschen kann? Oder weil er mit eleganten Reden oder heldenhaften Taten beeindruckt? Die Antwort sieht etwa so aus:
Widerstandskämpfer:
"Okay, du Held, nun sagt mal, was dich zum Anführer prädestiniert."
J.C.:
"Meine Mom hat mich zum Kämpfer ausgebildet."
Widerstandskämpfer:
"Ach ne, cool. Und warum sollst du unser Anführer sein?"
J.C.:
"Meine Mom hat gesagt, ich werde der Chef der Widerstandsbewegung. Obschon sie tot ist, gibt sie mir immer noch Tips. Auf Kassette. Ihre Bänder höre ich mir täglich an."
Widerstandskämpfer:
"Super, aber warum willst du unser Anführer sein?"
J.C.:
"Weil meine Mom und ich glauben, dass ich zum Anführer geboren bin."
Widerstandskämpfer (leicht genervt):
"Also warum soll ich dir denn nun folgen?"
J.C:
"Hör zu, du musst mir einfach glauben, ich weiss, was ich tue."
Widerstandskämpfer:
"Und was wirst du tun?"
J.C.:
"Glaub mir, du wirst nicht glauben, was ich tun werde."
Widerstandskämpfer:
"WAS wirst du denn tun?"
J.C.:
"Vertrau mir einfach, ich glaube, ich werde es schaffen. Folge mir, wenn du leben willst."
Widerstandskämpfer:
"Aber…"
J.C.:
"Nichts aber… hey, glaub einfach an J.C., deinen Retter.
"Widerstandskämpfer:
"J.C.? Du meinst Jesus Christus?"
J.C.:
"Äh… nein, an mich. John Connor."
Widerstandskämpfer:
"Ich muss also wählen zwischen mordenden Toastern und einem durchgeknallten Fundi mit Messiaskomplex?"
Ja, gut, natürlich übertreibe ich, aber es ist bezeichnend für diesen Film, dass er seine ganze Kraft nur aus seinen Vorgänger bezieht. Connor wirkt dankt dem stets souverän agierenden Christian Bale immer noch grossartig, aber warum Connor nicht besser zu argumentieren weiss, wissen wohl nur die Drehbuchautoren, die offensichtlich zu bequem waren, sich damit richtig auseinanderzusetzen. Dies ist besonders ärgerlich, da Connor kein Antagonist zur Seite gestellt wird wie in den anderen Filmen. Der Held misst sich mit dem Schurken und je gefährlicher und gerissener dieser auftritt, desto einprägsamer und grossartiger wirkt der Held. Hier gibt es keinen Terminator wie Schwarzenegger (zumindest fast nicht), keinen wie Robert Patrick und keine Terminatrix, nur Maschinen, die nichts weiter sind als Kanonenfutter, mal kurz auftauchen und kaputt gehen. Skynet ist schlicht und ergreifend ein schlechter Witz. Und wer nun Michael Ironside, als lächerlichen U-Boot-Captain als Gegenargument einbringen möchte… das ist kein echter Gegenspieler, das ist das Klischeebild eines stumpfsinnigen B-Movie-Charakters.
Das Traurige an der Sache ist, dass die Effekte wirklich fantastisch sind, die Action phänomenal und die Akteure, allen voran Christian Bale, Sam Worthington (merken Sie sich dieses Gesicht!) und "Star Treks" neuer Chekov Anton Yelchin, einen tollen Job erledigen. Klar, das zerstörte L.A. wirkt etwas unglaubwürdig und mache Sets sind aus Sicht von Skynet völlig unlogisch, aber egal, rein optisch ist der Film eine Wucht, nur sollte sich eben jeder Zuschauer fragen, ob ihm dies reicht. Klar, wer erwartet in einem Nonstop-Action Film schon eine tolle Story? Ich, und Sie sollten das auch. Nur weil die Masse solcher Filme im Durchschnitt hirnlose, immergleiche 08/15-Kost ist, muss dies ja nicht auch auf ein einst so grossartiges Franchise zutreffen. Als würde McDonalds zukünftig übelschmeckende BigMac’s verkaufen mit der Begründung, es würde ja wohl niemand von Fastfoot eine gute Qualität erwarten, Hauptsache die Burger sehen gut aus. Und seinen wir doch mal ehrlich: wenn Sie 200 Millionen Dollar in eine Geschichte stecken würden, würden Sie nicht dafür sorgen, dass diese gut ist? Clever konstruiert, mit überraschende Wendungen und einem dramatischen Höhepunkt? Dem Film fehlt das Entscheidende. Als würde man ein Musical verfilmen und den Ton vergessen. Was nützt die beste Action, wenn plötzlich ziemlich dämliche Logiklöcher den Film torpedieren? "Terminator" war eben doch etwas mehr als nur hirnlose Action. Beispielsweise hatte man in Sarah Connor einen fantastischen weiblichen Charakter. Hier? Eine Schwangere, die nur brav in der Gegend steht und besorgt dreinblickt und eine Pilotin, wie sie reissbrettartiger nicht sein könnte. Vielleicht sollte man den Streifen tatsächlich umgehen und auf den Directors Cut warten, der die unzählige geschnittene Szenen wieder in den Film einfügt. Ob ihn dies besser machen würde?
Fazit:
Produktion
Regie: McG
Drehbuch: Michael Ferris, John D. Brancato
DarstellerRegie: McG
Drehbuch: Michael Ferris, John D. Brancato
Christian Bale (als John Conner )
Sam Worthington (als Marcus Wright)
Anton Yelchin (als Kyle Reese)
Kinostart: läuft bereits in den Kinos
Samstag, 27. April 2013
"Star Trek" - this is exciting
(Filmreview R. Sutter)
Inhalt
Wie aus James Kirk der legendäre Captain der Enterprise wurde.
Kritik
Wow. Einfach nur wow. So einen stimmigen und witzigen Sommerblockbuster habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.
Jeder hat schon mal von "Star Trek" gehört. Nun gut, es mag da noch irgendwo tief im Dschungel einen Stamm unentdeckter Eingeborener geben, die noch nichts von Kirk & Co. mitbekommen haben, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Wenn man jedoch kein Fan ist, benötigt man dann Hintergrundwissen, um diesen neuen Film geniessen bzw. verstehen zu können? Ein klares: "Nein". Aber wenn sie gerne ein paar kleines Details hätten, bitte schön, alle anderen sollten den unten stehenden Absatz einfach überspringen.
"Star Trek" wurde 1966 von Gene Roddenberry erschaffen. Es umfasst elf Kinofilme, fünf Serien ("The Original", "The Next Generation", "Deep Space Nine", "Voyager", "Enterprise") eine Trickfilmserie und Hunderte von Romane, von denen es einige auch in die Top Ten der US-Bestsellerlisten geschafft haben. "Star Trek" hat so ziemlich jeden Preis in der Multimedialandschaft gewonnen, mit Ausnahme des Oscars, und gilt als eher intellektuelles Science Fiction Universum, das zuweilen zur Geschwätzigkeit neigt, aber sich bereits in den 60ern Themen annahm, von der jede andere damalige TV-Serie wegen Angst gegenüber der Zensurbehörde die Finger liess (Rassismus, Überbevölkerung, Auswirkungen von Kriegen, Umweltverschmutzung, Technikwahn, Religion usw.). Unter anderem zeigte "Star Trek" den ersten Kuss zwischen Weiss und Schwarz und gilt auch heute noch in vielen Bereichen als geradezu visionär, obschon die frühen Serien mittlerweile reichlich Staub angesetzt haben. Theorien für den unglaublichen Erfolg und die Langlebigkeit von "Star Trek" gibt es viele, aber die meisten stimmen damit überein, dass es mit der zu tiefst optimistischen Sicht- und Denkweise zu tun hat, dem Humanismus und natürlich diesen wunderbaren, legendären Charakteren. "Star Trek" besitzt das weltweit grösste (und kritischste) Fandom, unter dem sich auch Persönlichkeiten wie der Physiker Stephen Hawkings, Apollo-Astronaut Buzz Aldrin, Politiker wie Martin Luther King, Barack Obama und Bill Clinton, Schriftsteller wie Frank Herbert, Isaak Asimov, Stephen King, Filmemacher wie Steven Spielberg, Brian Singer, James Cameron und Schauspieler wie Tom Hanks, Will Smith, Dwayne "The Rock" Johnson, Megan Fox, Whoopi Goldberg, Tom Cruise, Eddie Murphy, Robin Williams usw. tummeln. Mag sein, dass man dem Klischee glauben schenkt und Trekkies gerne als Freaks belächelt und verspottet, aber hey, zumindest befinden sich die Fans in echt guter Gesellschaft.
Ist Abrams neuster Streifen nun ein grossartiger Science Fiction-Film? Nein, aber er ist so verdammt nahe dran, dass man den nächsten Teil kaum erwarten kann, und er ist mit Sicherheit der beste Science Fiction-Film seit "Matrix". Er ist das, was die drögen "Star Wars"-Prequels versprochen, aber nie gehalten haben. Was Regisseur Abrams nebst seinem handwerklichen Geschick und seinem visuellen Flair vor allem auszeichnet, sind die Charaktere. Ihnen wird alles untergeordnet. Dies macht ihn zur perfekten Wahl für einen "Star Trek"-Film. Abrams schafft sogar das Kunststück, dass man die legendären originalen Schauspieler rund um William Shatner und Leonard Nimoy sofort ausblendet und die neuen Typen Chris Pine und Zachary Quinto in ihren neuen Rollen akzeptiert und ins Herz schliesst. Bei den Trekkies lagen die Nerven blank, befürchteten doch unzählige, dass der neue Streifen von "Lost"-Mastermind Abrams ein seelenloser Sci-Fi-Blockbuster wird, der lediglich "Star Trek" im Titel trägt. Mitnichten, ich zählte etwa dreissig Referenzen aus über vierzig Jahren Trek-History, die Figuren handeln so sympathisch und treffend, wie man es kennt, und am wichtigsten: das Drehbuch verinnerlicht den Geist "Star Treks" mit einer Leichtigkeit, dass es eine wahre Freude ist.
"This is not your father’s Star Trek" lautet einer von Paramounts Commercial-Trailer. Eine glatte Lüge. Klar, vieles hat sich verändert, der Look ist komplett anders, aber dieser Film ist kein Reboot wie "Batman". Es ist auch kein Prequel wie "Star Wars", sondern eine Fortsetzung, welche die Thematik der Zeitreisen und Parallelwelten für einmal konsequent durchzieht. Gegen Ende wird eben nicht wie so oft alles wieder hergestellt und auf Null zurückgesetzt.
Der Streifen bringt es fertig, (fast) sämtliche Tugenden "Star Treks" zu übernehmen. Zwar ist dieser Film mit bombastischen Effekten und packender Action vollgestopft, aber dies ist nie Mittel zum Zweck. Kritisieren kann man natürlich immer. So sind manche Drehbuchwendungen an den Haaren herbeigezogen, es fehlen einige dringend notwendige Erklärungen, und die Rache-Story an sich ist ungemein simpel. Jedoch ist die Präsentation so unglaublich, dass es einem vorkommt als würde man auf sehr hohem Niveau kritisieren. Als Trekker der ersten Stunde fallen einem automatisch einige (inhaltliche wie technische) Fehler auf, über die ich jedoch gnädig den Mantel des Schweigens werfe und nicht näher darauf einzugehen gedenke. Zu sympathisch wirkt das Gezeigte.
Fazit
Und wieder einmal hat sich das totgesagte "Star Trek" wie der Phönix aus der Asche erhoben. Für mich persönlich kommt der Streifen nicht an Trek 2 ("The Wrath of Khan") oder Trek 8 "First Contact" heran, da die Vorgänger dramaturgisch stimmiger, die Dialoge geschliffener und die Story an sich auf höherem Niveau war, doch Abrams Film dient nur als Prolog und möchte die Figuren für ein neues Publikum einführen. Keine "Mission Impossible", das Ziel wurde voll und ganz erreicht. Der Film macht definitiv Lust auf mehr. "Star Trek" ist visuell unglaublich berauschend, umwerfend witzig, packend und immens detailverliebt, deswegen sehe ich für einmal über kleine Ungereimtheiten gerne hinweg. Ich hatte immense Erwartungen an Roberto Orci und Alex Kurtzman (Drehbuchautoren) und selbstverständlich auch an J.J. Abrams. Der nächste Film muss tiefgründiger werden, aber vorerst bin ich mehr als zufrieden. Trek is back! Verdammt, es wurde auch Zeit!
Produktion
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman
Darsteller
Cris Pine (als Kirk)
Leonard Nimoy (als alter Spock)
Zachary Quinto (als junger Spock)
Zoe Saldana (als Uhura)
Eric Bana (als Nero)
Bruce Greenwood (als Capt. Pike)
Inhalt
Wie aus James Kirk der legendäre Captain der Enterprise wurde.
Kritik
Wow. Einfach nur wow. So einen stimmigen und witzigen Sommerblockbuster habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.
Jeder hat schon mal von "Star Trek" gehört. Nun gut, es mag da noch irgendwo tief im Dschungel einen Stamm unentdeckter Eingeborener geben, die noch nichts von Kirk & Co. mitbekommen haben, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering. Wenn man jedoch kein Fan ist, benötigt man dann Hintergrundwissen, um diesen neuen Film geniessen bzw. verstehen zu können? Ein klares: "Nein". Aber wenn sie gerne ein paar kleines Details hätten, bitte schön, alle anderen sollten den unten stehenden Absatz einfach überspringen.
"Star Trek" wurde 1966 von Gene Roddenberry erschaffen. Es umfasst elf Kinofilme, fünf Serien ("The Original", "The Next Generation", "Deep Space Nine", "Voyager", "Enterprise") eine Trickfilmserie und Hunderte von Romane, von denen es einige auch in die Top Ten der US-Bestsellerlisten geschafft haben. "Star Trek" hat so ziemlich jeden Preis in der Multimedialandschaft gewonnen, mit Ausnahme des Oscars, und gilt als eher intellektuelles Science Fiction Universum, das zuweilen zur Geschwätzigkeit neigt, aber sich bereits in den 60ern Themen annahm, von der jede andere damalige TV-Serie wegen Angst gegenüber der Zensurbehörde die Finger liess (Rassismus, Überbevölkerung, Auswirkungen von Kriegen, Umweltverschmutzung, Technikwahn, Religion usw.). Unter anderem zeigte "Star Trek" den ersten Kuss zwischen Weiss und Schwarz und gilt auch heute noch in vielen Bereichen als geradezu visionär, obschon die frühen Serien mittlerweile reichlich Staub angesetzt haben. Theorien für den unglaublichen Erfolg und die Langlebigkeit von "Star Trek" gibt es viele, aber die meisten stimmen damit überein, dass es mit der zu tiefst optimistischen Sicht- und Denkweise zu tun hat, dem Humanismus und natürlich diesen wunderbaren, legendären Charakteren. "Star Trek" besitzt das weltweit grösste (und kritischste) Fandom, unter dem sich auch Persönlichkeiten wie der Physiker Stephen Hawkings, Apollo-Astronaut Buzz Aldrin, Politiker wie Martin Luther King, Barack Obama und Bill Clinton, Schriftsteller wie Frank Herbert, Isaak Asimov, Stephen King, Filmemacher wie Steven Spielberg, Brian Singer, James Cameron und Schauspieler wie Tom Hanks, Will Smith, Dwayne "The Rock" Johnson, Megan Fox, Whoopi Goldberg, Tom Cruise, Eddie Murphy, Robin Williams usw. tummeln. Mag sein, dass man dem Klischee glauben schenkt und Trekkies gerne als Freaks belächelt und verspottet, aber hey, zumindest befinden sich die Fans in echt guter Gesellschaft.
Ist Abrams neuster Streifen nun ein grossartiger Science Fiction-Film? Nein, aber er ist so verdammt nahe dran, dass man den nächsten Teil kaum erwarten kann, und er ist mit Sicherheit der beste Science Fiction-Film seit "Matrix". Er ist das, was die drögen "Star Wars"-Prequels versprochen, aber nie gehalten haben. Was Regisseur Abrams nebst seinem handwerklichen Geschick und seinem visuellen Flair vor allem auszeichnet, sind die Charaktere. Ihnen wird alles untergeordnet. Dies macht ihn zur perfekten Wahl für einen "Star Trek"-Film. Abrams schafft sogar das Kunststück, dass man die legendären originalen Schauspieler rund um William Shatner und Leonard Nimoy sofort ausblendet und die neuen Typen Chris Pine und Zachary Quinto in ihren neuen Rollen akzeptiert und ins Herz schliesst. Bei den Trekkies lagen die Nerven blank, befürchteten doch unzählige, dass der neue Streifen von "Lost"-Mastermind Abrams ein seelenloser Sci-Fi-Blockbuster wird, der lediglich "Star Trek" im Titel trägt. Mitnichten, ich zählte etwa dreissig Referenzen aus über vierzig Jahren Trek-History, die Figuren handeln so sympathisch und treffend, wie man es kennt, und am wichtigsten: das Drehbuch verinnerlicht den Geist "Star Treks" mit einer Leichtigkeit, dass es eine wahre Freude ist.
"This is not your father’s Star Trek" lautet einer von Paramounts Commercial-Trailer. Eine glatte Lüge. Klar, vieles hat sich verändert, der Look ist komplett anders, aber dieser Film ist kein Reboot wie "Batman". Es ist auch kein Prequel wie "Star Wars", sondern eine Fortsetzung, welche die Thematik der Zeitreisen und Parallelwelten für einmal konsequent durchzieht. Gegen Ende wird eben nicht wie so oft alles wieder hergestellt und auf Null zurückgesetzt.
Der Streifen bringt es fertig, (fast) sämtliche Tugenden "Star Treks" zu übernehmen. Zwar ist dieser Film mit bombastischen Effekten und packender Action vollgestopft, aber dies ist nie Mittel zum Zweck. Kritisieren kann man natürlich immer. So sind manche Drehbuchwendungen an den Haaren herbeigezogen, es fehlen einige dringend notwendige Erklärungen, und die Rache-Story an sich ist ungemein simpel. Jedoch ist die Präsentation so unglaublich, dass es einem vorkommt als würde man auf sehr hohem Niveau kritisieren. Als Trekker der ersten Stunde fallen einem automatisch einige (inhaltliche wie technische) Fehler auf, über die ich jedoch gnädig den Mantel des Schweigens werfe und nicht näher darauf einzugehen gedenke. Zu sympathisch wirkt das Gezeigte.
Fazit
Und wieder einmal hat sich das totgesagte "Star Trek" wie der Phönix aus der Asche erhoben. Für mich persönlich kommt der Streifen nicht an Trek 2 ("The Wrath of Khan") oder Trek 8 "First Contact" heran, da die Vorgänger dramaturgisch stimmiger, die Dialoge geschliffener und die Story an sich auf höherem Niveau war, doch Abrams Film dient nur als Prolog und möchte die Figuren für ein neues Publikum einführen. Keine "Mission Impossible", das Ziel wurde voll und ganz erreicht. Der Film macht definitiv Lust auf mehr. "Star Trek" ist visuell unglaublich berauschend, umwerfend witzig, packend und immens detailverliebt, deswegen sehe ich für einmal über kleine Ungereimtheiten gerne hinweg. Ich hatte immense Erwartungen an Roberto Orci und Alex Kurtzman (Drehbuchautoren) und selbstverständlich auch an J.J. Abrams. Der nächste Film muss tiefgründiger werden, aber vorerst bin ich mehr als zufrieden. Trek is back! Verdammt, es wurde auch Zeit!
Produktion
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman
Darsteller
Cris Pine (als Kirk)
Leonard Nimoy (als alter Spock)
Zachary Quinto (als junger Spock)
Zoe Saldana (als Uhura)
Eric Bana (als Nero)
Bruce Greenwood (als Capt. Pike)
"Knowing" - Sekten Propaganda?
(Filmreview R. Sutter)
Inhalt
Eine Schulklasse vergräbt im Jahre 1959 eine Zeitkapsel, die von den Schülern gemalte Visionen der Zukunft enthält. 50 Jahre später wird der Inhalt der Kapsel bei einer Feier an die neuen Schüler verteilt. John Koestlers Sohn Caleb erhält ein Papier mit einer Aneinanderreihung von scheinbar willkürlichen Zahlen, doch John (Nicolas Cage) entdeckt dahinter einen Code, welcher alle grossen Katastrophen und Unfälle der letzten 50 Jahre auflistet und präzise das Datum und die Opferzahlen wiedergibt. Doch am Ende des Papiers scheinen drei offene Zahlenblöcke auf bevorstehende Ereignisse hinzuweisen, deren Opferzahl schliesslich alle Lebensformen auf der Erde umfasst.
Kritik
"The Crow", "Dark City", "I, Robot". Regisseur Alex Proyas bleibt sich auch bei seinen neusten Werk treu und liefert uns mit "Knowing" einen düsteren Mysterythriller mit Science-Fiction-Touch. Der Streifen hätte eine großartige X-Akte abgegeben, wenn… ja, wenn was? Vielleicht, wenn man den sichtlich gelangweilten Nicolas Cage tatsächlich durch David Duchovny (alias Fox Mulder) ersetzt hätte. Dies wäre ohnehin nicht weiter aufgefallen, da beide den selben treuen Hundeblick draufhaben, für die man sie am liebsten knuddeln möchte, bevor man ihnen ein Apportier-Stöckchen zuwirft. Viel wahrscheinlicher ist es aber, daß dieser Film eine fantastische Geschichte geworden wäre, wenn man dem Hauptprotagonisten (immerhin ein Physikprofessor) nicht immer fünf Minuten voraus wäre. (VORSICHT SPOILER) Kommt hinzu, daß die Idee einer Unglücksliste an sich so faszinierend wie doof ist. Worin liegt der Sinn, eine Zahlenliste über die Unfälle der Welt zu schreiben, wenn diese darin gipfelt, daß am Ende die ganze Welt drauf geht? Genausogut könnte man protokollieren, wann, wo und wie sich ein Mensch gerade in den Finger gepiekst hat. Klar, die Liste soll als Warnung dienen? Doch wozu, wenn ohnehin nur diejenigen gerettet werden, die dafür vorgesehen sind und den ausserirdischen Andy Warhols genehm sind. Nach welchem Maßstab die Alienoahs ihre Wahl treffen, bleibt schleierhaft. (SPOILER ENDE) Man könnte frech behaupten, daß "Knowing" als Propagandafilm einer nicht näher genannten Sekte fungiert. Was natürlich nicht so ist. Es sei denn, Proyas wandelt demnächst auf Ron Hubberts Pfaden. Was natürlich niemand glaubt. Natürlich nicht. Echt jetzt.
Es erstaunt, wie spannend und packend der Film inszeniert ist und wie langweilig er dennoch geworden ist. Auf der einen Seite wirkt zum Beispiel der Flugzeugabsturz unglaublich beklemmend, aber anderseits sind viele Teile der Geschichte langweilig. Sobald auch der letzte Zuschauer kapiert, wohin die Story führt (was nach max. einer halben Stunde der Fall sein dürfte), werden sich die meisten fragen, ob die Geschichte tatsächlich auf diese einfallslose und extrem schlichte Art und Weise enden wird. Ja, tut sie. Die Idee, eine Geschichte der christlichen Religion in einen Sci-Fi-Katastrophenfilm zu packen, ist interessant und birgt Potential, welches jedoch nicht ausgeschöpft wird. Schlimmer noch, diverse offene Fragen bleiben völlig unbeantwortet, und das 1/3-Happy End ist das vorangegangene Vorgeplänkel nicht wert. Mal davon abgesehen ist Cages Charakter ein asozialer Typ, für den man nicht mitfiebert und dessen Schicksal einem letztendlich egal ist, selbst wenn er im Laufe des Zeit eine Wandlung durchläuft und irgendwie geläutert wird. Sympathischer macht ihn dies trotzdem nicht.
Fazit
"Knowing" ist ein durchschnittlicher Mysterythriller geworden. Hätte man die Wahl, wie würde man entscheiden? Würde man lieber beim Weltuntergang sterben oder doch lieber auf einem Garten-Eden-Planeten gebeamt werden, welcher danach von lauter süßen Kindern bewohnt ist? Sex, Drugs und Rock ’n Roll auf der einen Seite. Im Wind rauschende Baumkronen auf der Anderen. Sonne, Schnee und Gewitter, statt IPod, YouTube und Twitter? Leben ohne Technik, ohne Brot und Spiele? (VORSICHT SPOILER) Keine Frage, Nicolas Cages Tränen, nicht zu den Ausserwählten zu gehören, waren Tränen der Freude. Nein, er würde nicht an Langeweile sterben, er ganz bestimmt nicht. So, und nun soll gefälligst jemand mal "Highway to Hell" anschmeissen. Yeah! Let’s Rock to the end of the world! (SPOILER ENDE)
Produktion
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: Ryan Douglas Pearson, Juliet Snowdon, Stiles White
Darsteller
Nicolas Cages (als John Koestler)
Rose Byrne (als Diana Wayland) u.a.
"The Unborn" – born to be boring
(Filmreview R. Sutter)
Inhalt
Siehe "The Exorcist", "Poltergeist", "Rosemary’s Baby", The Ring", "Psycho", "The Grudge", "The Messengers", "Pulse" usw.
Okay, der interessierte Leser wünscht sich wohl eine genauere Inhaltsbeschreibung. Bitteschön:
American Sweetheart entdeckt unheimlichen Familienbackground und trifft dämonisches Kiddie. Freunde beissen ins Gras, Sweetheart stellt sich dem Bösen, Abspann flimmert über die Leinwand.
Wie bitte? Eine detailliertere Inhaltsbeschreibung wird gewünscht? Na gut, hier: Casey Bell, ein American Sweetheart mit langen Haaren und dem Zwang, sich möglichst oft in knapper sexy Unterwäsche zu zeigen, entdeckt ihren leicht unheimlichen Familienbackground, weil sie doofe Visionen hat, die sich ständig wiederholen. Sie trifft dämonisches, dunkelhaariges Kiddie. Caseys Freunde beissen ins Gras, Sweetheart stellt sich dem arglistigen Bösen, Abspann flimmert nach siebenundachtzig verschwendeten Minuten über die Leinwand.
Kritik
Ich mag David Goyer. Ehrlich. Sein Drehbuch zu "Blade II" war klasse. Sein Drehbuch "Batman Begins" grandios und seine Arbeit zu "The Dark Knight" phänomenal. Doch sobald er sich auf den Regiestuhl setzt und seine eigenen Drehbücher umsetzt, kommt dabei Schwachsinn wie "Blade III", Stumpfsinn wie "The Invisible" oder Blödsinn wie "The Unborn" heraus. Und bei seinem letzten Baby wünschte ich wirklich, es wäre nie geboren worden. Nicht, weil sein neuster Film schlecht anzusehen wäre, nö, der Streifen sieht gut aus, und die Unterwäsche von "Cloverfield"-Beauty Odette Yustman ist, wie bereits erwähnt, durchaus sexy. Die Story wäre grundsolide, bedient sich der israelischen Mythologie und entpuppt sich zu Beginn als überaus interessant. Doch dann fällt das Werk in sich zusammen wie Duffy Duck, dem wieder einmal ein Klavier auf den Kopf gekracht ist. Dieser Möchtegern-Horrorfilm, passender wäre Teeniegrusler, ist in seinem Konzept dermassen formelhaft und so durchschnittlich in der Ausführung, dass man Goyer am liebsten mit dem einhundertmaligen Ansehen eines x-beliebigen Filmes von Uwe Boll bestrafen möchte. "The Unborn" sticht durch nichts heraus. Die Story ist zusammengeschustert, und die Darsteller weigern sich zu schauspielern. So zieht sich dies durch die ganze Produktion. Dialoge, Kamera, Effekte, Musik, Sound. Nett zusammengebastelt, aber ohne den Hauch von Originalität und exklusive dem Willen, einen grossartigen oder wenigstens ordentlichen Film zu schaffen. Goyer schien nicht einmal gewillt zu sein, selbst offensichtliche Anschlussfehler zu korrigieren.
Machen wir doch kurz den Klischee-Check:
- Tote, die urplötzlich die Augen aufreissen
- Tote, die im Leichenschauhaus liegen und sich urplötzlich aufrichten
- Spiegel, die man kaputt machen muss
- Spiegel, die urplötzlich Personen zeigen, die vorhin noch nicht da waren
- Leute, die urplötzlich abends vor dem Haus stehen und das Fenster beobachten
- bellende Hunde
- Menschen, die flüchten und genau dorthin gehen, wo sie in der Falle sitzen
- Menschen, bei denen man gleich weiss, dass sie zu den Opfern gehören werden
- ein böses kleines, dunkelhaariges Kind
Nachfolgend dürfen wir uns auch über dieses berühmte Klischee freuen:
- eine alte Person sitzt mit dem Rücken zum Zuschauer, in einem dunklen Zimmer, auf dem Schaukelstuhl, und im Gegensatz zum Protagonisten, ahnt (weiss) der Zuschauer genau, dass die Person bereits tot und fürchterlich entstellt ist.
Und sollte im Drehbuch irgendetwas Dämonisches oder Exorzierbares beinhaltet sein, bitte auch an das Klischee vom grausig verdrehten, menschlichen Körper denken, der auf allen vieren eine Treppe hinaufsteigt. Röchelnd, versteht sich. Nein, das ist keine geklaute Szene, das ist selbstverständlich eine Hommage.
Um das Hauptproblem diese Streifens vielleicht ein wenig stärker zu verdeutlichen: Es gibt dieses kleine Horrorfilm-Klischee, wir kennen es alle: eine Filmfigur wandelt durch finstere Gänge. Spannungsmusik setzt ein. Plötzlich springt ihm eine wild fauchende Katze vor die Füsse. Puh… nochmals Glück gehabt. Solch ähnliche Pseudo-Schockmomente gibt es in "The Unborn" zuhauf. Und zwar in wiederholtem Masse. Obschon diese ewig billigen Tricks bereits beim ersten Einsetzen nur mehr nerven, sind sie nach dem dritten Mal einfach ärgerlich. Man könnte also beinahe sagen, dass der interessierte Zuschauer in Goyers Film eine Katze nach der anderen bewundern darf. Wahnsinnig spannend, miau.
Die ultimative Todsünde leistet sich der Film, als die Figuren anfangen, für die kruden Vorkommnisse Erklärungen zu suchen. Ausgiebig. Dies wäre durchaus begrüssenswert, sofern dem Zuschauer dann am Ende auch eine vernünftige Lösung präsentiert wird, doch der finale Kampf gegen das Böse ist lächerlich, und die Schlusspointe ist einfach nur doof.
Fazit
"The Unborn" ist ein wahrlich grausiger Horrorfilm. Fürchterlich langweilig, entsetzlich vorhersehbar, beängstigend fantasielos, grauenhaft durchschnittlich.
Wenn die Männer einen besseren Horrorfilm im Kino sehen wollen, empfehle ich "Confessions of a Shopaholic", der lässt einem das Blut gefrieren. Die Frauen sollten sich derweil lieber für "Twilight" entscheiden, denn der zuckersüsse Kitsch ist die pure Folter. "The Unborn" hingegen ist das gekaufte Ticket nicht wert, weil es lediglich eine Sammlung geklauter Ideen ist.
Produktion
Regie: David S. Goyer
Kamera: James Hawkinson
Drehbuch: David S. Goyer
Darsteller
Odette Yustman (als Casey, das Unterwäschemodel)
Meagan Good (als Romy, die doofe Freundin)
Gary Oldman (als Rabbi Sendak, der Buch-Halter)
Inhalt
Siehe "The Exorcist", "Poltergeist", "Rosemary’s Baby", The Ring", "Psycho", "The Grudge", "The Messengers", "Pulse" usw.
Okay, der interessierte Leser wünscht sich wohl eine genauere Inhaltsbeschreibung. Bitteschön:
American Sweetheart entdeckt unheimlichen Familienbackground und trifft dämonisches Kiddie. Freunde beissen ins Gras, Sweetheart stellt sich dem Bösen, Abspann flimmert über die Leinwand.
Wie bitte? Eine detailliertere Inhaltsbeschreibung wird gewünscht? Na gut, hier: Casey Bell, ein American Sweetheart mit langen Haaren und dem Zwang, sich möglichst oft in knapper sexy Unterwäsche zu zeigen, entdeckt ihren leicht unheimlichen Familienbackground, weil sie doofe Visionen hat, die sich ständig wiederholen. Sie trifft dämonisches, dunkelhaariges Kiddie. Caseys Freunde beissen ins Gras, Sweetheart stellt sich dem arglistigen Bösen, Abspann flimmert nach siebenundachtzig verschwendeten Minuten über die Leinwand.
Kritik
Ich mag David Goyer. Ehrlich. Sein Drehbuch zu "Blade II" war klasse. Sein Drehbuch "Batman Begins" grandios und seine Arbeit zu "The Dark Knight" phänomenal. Doch sobald er sich auf den Regiestuhl setzt und seine eigenen Drehbücher umsetzt, kommt dabei Schwachsinn wie "Blade III", Stumpfsinn wie "The Invisible" oder Blödsinn wie "The Unborn" heraus. Und bei seinem letzten Baby wünschte ich wirklich, es wäre nie geboren worden. Nicht, weil sein neuster Film schlecht anzusehen wäre, nö, der Streifen sieht gut aus, und die Unterwäsche von "Cloverfield"-Beauty Odette Yustman ist, wie bereits erwähnt, durchaus sexy. Die Story wäre grundsolide, bedient sich der israelischen Mythologie und entpuppt sich zu Beginn als überaus interessant. Doch dann fällt das Werk in sich zusammen wie Duffy Duck, dem wieder einmal ein Klavier auf den Kopf gekracht ist. Dieser Möchtegern-Horrorfilm, passender wäre Teeniegrusler, ist in seinem Konzept dermassen formelhaft und so durchschnittlich in der Ausführung, dass man Goyer am liebsten mit dem einhundertmaligen Ansehen eines x-beliebigen Filmes von Uwe Boll bestrafen möchte. "The Unborn" sticht durch nichts heraus. Die Story ist zusammengeschustert, und die Darsteller weigern sich zu schauspielern. So zieht sich dies durch die ganze Produktion. Dialoge, Kamera, Effekte, Musik, Sound. Nett zusammengebastelt, aber ohne den Hauch von Originalität und exklusive dem Willen, einen grossartigen oder wenigstens ordentlichen Film zu schaffen. Goyer schien nicht einmal gewillt zu sein, selbst offensichtliche Anschlussfehler zu korrigieren.
Machen wir doch kurz den Klischee-Check:
- Tote, die urplötzlich die Augen aufreissen
- Tote, die im Leichenschauhaus liegen und sich urplötzlich aufrichten
- Spiegel, die man kaputt machen muss
- Spiegel, die urplötzlich Personen zeigen, die vorhin noch nicht da waren
- Leute, die urplötzlich abends vor dem Haus stehen und das Fenster beobachten
- bellende Hunde
- Menschen, die flüchten und genau dorthin gehen, wo sie in der Falle sitzen
- Menschen, bei denen man gleich weiss, dass sie zu den Opfern gehören werden
- ein böses kleines, dunkelhaariges Kind
Nachfolgend dürfen wir uns auch über dieses berühmte Klischee freuen:
- eine alte Person sitzt mit dem Rücken zum Zuschauer, in einem dunklen Zimmer, auf dem Schaukelstuhl, und im Gegensatz zum Protagonisten, ahnt (weiss) der Zuschauer genau, dass die Person bereits tot und fürchterlich entstellt ist.
Und sollte im Drehbuch irgendetwas Dämonisches oder Exorzierbares beinhaltet sein, bitte auch an das Klischee vom grausig verdrehten, menschlichen Körper denken, der auf allen vieren eine Treppe hinaufsteigt. Röchelnd, versteht sich. Nein, das ist keine geklaute Szene, das ist selbstverständlich eine Hommage.
Um das Hauptproblem diese Streifens vielleicht ein wenig stärker zu verdeutlichen: Es gibt dieses kleine Horrorfilm-Klischee, wir kennen es alle: eine Filmfigur wandelt durch finstere Gänge. Spannungsmusik setzt ein. Plötzlich springt ihm eine wild fauchende Katze vor die Füsse. Puh… nochmals Glück gehabt. Solch ähnliche Pseudo-Schockmomente gibt es in "The Unborn" zuhauf. Und zwar in wiederholtem Masse. Obschon diese ewig billigen Tricks bereits beim ersten Einsetzen nur mehr nerven, sind sie nach dem dritten Mal einfach ärgerlich. Man könnte also beinahe sagen, dass der interessierte Zuschauer in Goyers Film eine Katze nach der anderen bewundern darf. Wahnsinnig spannend, miau.
Die ultimative Todsünde leistet sich der Film, als die Figuren anfangen, für die kruden Vorkommnisse Erklärungen zu suchen. Ausgiebig. Dies wäre durchaus begrüssenswert, sofern dem Zuschauer dann am Ende auch eine vernünftige Lösung präsentiert wird, doch der finale Kampf gegen das Böse ist lächerlich, und die Schlusspointe ist einfach nur doof.
Fazit
"The Unborn" ist ein wahrlich grausiger Horrorfilm. Fürchterlich langweilig, entsetzlich vorhersehbar, beängstigend fantasielos, grauenhaft durchschnittlich.
Wenn die Männer einen besseren Horrorfilm im Kino sehen wollen, empfehle ich "Confessions of a Shopaholic", der lässt einem das Blut gefrieren. Die Frauen sollten sich derweil lieber für "Twilight" entscheiden, denn der zuckersüsse Kitsch ist die pure Folter. "The Unborn" hingegen ist das gekaufte Ticket nicht wert, weil es lediglich eine Sammlung geklauter Ideen ist.
Produktion
Regie: David S. Goyer
Kamera: James Hawkinson
Drehbuch: David S. Goyer
Darsteller
Odette Yustman (als Casey, das Unterwäschemodel)
Meagan Good (als Romy, die doofe Freundin)
Gary Oldman (als Rabbi Sendak, der Buch-Halter)
"Watchmen"
(Filmreview R. Sutter)
Inhalt
Wir schreiben das Jahr 1985. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben, mit tatkräftiger Unterstützung des gottgleichen Dr. Manhattan, den Vietnamkrieg gewonnen. Präsident Nixon weilt noch immer im Amt, und die Welt steht kurz vor dem Atomkrieg.
Eines Abends wird der ehemalige Superheld "The Comedian" in seinem Apartment aus dem 30. Stock geworfen. Der Komödiant war einst ein gefürchteter Rächer des Rechts und ein Mitglied der Watchmen. Nach dem 1977 erfolgten Verbot von Superhelden avancierte er zu einem gnadenlosen Auftragskiller für die Regierung. Der als schlichter Raubüberfall getarnte Fall wirft jedoch einige Fragen auf. Dies ist für den einzig noch aktiven Superheld, Rorschach, Grund genug, der Sache nachzugehen. Es scheint fast so, als würde ein Killer Jagd auf die ehemaligen kostümierten Helden machen und einen nach dem anderen ausschalten. Allmählich kommt Rohrschach einer gewaltigen Verschwörung auf die Spur, die zur Auslöschung der Menschheit führen könnte.
Kritik
Halten wir uns nicht lange mit einem Vorgeplänkel auf. Die 12teilige "Watchmen"-Reihe ist für die Comicszene das, was "Dune" für die Science Fiction und "Herr der Ringe" für die Fantasy ist. Ein kraftvolles, komplexes, intelligentes Werk, überhäuft mit zahlreichen Preisen (als einziger Comic der Welt wurde "Watchmen" mit dem prestigeträchtigen Hugo Nebula-Award ausgezeichnet). "Watchmen" galt als unverfilmbar und so manch grosser Name in der Filmbranche hat sich an dem Stoff die Zähne ausgebissen. Schliesslich fand sich dennoch ein Kerl, der ebenfalls erkannte, dass die Vorlage einen prächtigen Streifen abgeben würde, und der gewillt war, viel Herzblut in dessen Realisierung zu stecken. Wer? Der Regisseur eines Zombiefilms, Zack Snyder. Und so eindrücklich die Vorlage, so eindrücklich ist auch der Film geworden, der selbst Schwergewichte wie "The Dark Knight" reichlich alt aussehen lässt.
Wer "Watchmen" nicht kennt, sollte sich erst von der Vorstellung verabschieden, er habe es hier mit einem dieser typischen Karneval-Filme à la "X-Men" oder "Fantastic Four" zu tun. Mitnichten. Von allen selbsternannten Helden verfügt lediglich der blaue, von der Menschheit gelangweilte Dr. Manhatten über unglaubliche Kräfte. Die anderen bestechen durch Fähigkeiten, die nahezu perfektioniert wurden. Sie alle sind Spezialisten ihres Fachs und sie alle sind voller Zweifel, Wut und haben überaus menschliche Probleme, die in diesem Genre normalerweise nicht zu finden sind (Alkoholismus, Gewaltbereitschaft, Impotenz usw.). "Watchmen" portraitiert eine alternative Realität, in der die politische und ökonomische Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts geschickt mit den Konventionen des Superheldengenres verbunden und ungemein stimmungsvoll wiedergegeben und weitergesponnen wird.
"Watchmen" ist ebenso bedrückend wie düster und trotz des Szenarios von einem seltsamen Realismus umgeben. Man wird förmlich in die Geschichte hineingesogen, und es fällt kaum auf, dass es in dem zweieinhalb Stunden dauernden Film gerade einmal drei (ziemlich brutale) Actionsequenzen gibt. Die Story mag kopflastiger sein, als bei jeder Comicverfilmung, die vorher in den Lichtspielhäusern gezeigt wurde, aber dies macht den Streifen in keinster Weise zäh oder langweilig. Die Inszenierung strotzt vor Einfallsreichtum und Details, aber auch von schonungsloser Härte. Brutalität wird mit aller Deutlichkeit gezeigt und dient der Entmystifizierung der Helden. Die Gewalt wird uncool, dafür umso direkter und ehrlich gezeigt. Wenn Helden plötzlich zu Vergewaltigern werden, Schwangere erschiessen oder tatenlos dabei zusehen, gibt es keine Michael-Bay-artigen Ein-Sekunden-Schnitte und auf Hochglanz polierte Bilder.
Regisseur Synder beweist ein fantastisches Händchen für Atmosphäre, Spannung und Stil und wird dabei von zwar mehrheitlich unbekannten, aber überaus charismatischen Schauspielern unterstützt. Allen voran der grösstenteils hinter einer Maske agierende Darsteller des Rorschachs, Jackie Earle Haley (Filmfans sollten sich den Namen merken). Eine grandiose Performance, eine fantastische Stimme.
Man möchte eigentlich gar nicht näher auf den Film eingehen und durch Spoiler oder Erklärungen das Vergnügen beim Zuschauer schmälern oder die Erwartungen ins übermässige steigern. "Watchmen" bietet nebst der stillvollen Inszenierung vor allem zahlreiche Denkansätze, über die es sich zu diskutieren lohnt und deren Antworten bzw. Lösungen freilich nicht einfach zu vertreten sind.
Fazit
"Watchmen" ist erstklassige Kino-Unterhaltung. Obschon die Grundstory im Prinzip simpel ist, wird die Geschichte so dicht und clever erzählt und grandios präsentiert, dass man Vergleichbares in diesem Gerne nur selten findet. Nach "The Dark Knight" ist "Watchmen" der zweite grosse Streifen, der beweisst, das Comicverfilmungen mehr zu bieten haben als der kindische Kampf zwischen dem strahlenden, perlweissen Helden und dem dunklen entstellten Bösen. "Watchmen" mag in vielerlei Hinsicht anders sein, unbequem, anstrengend, fordernd, aber wer sich darauf einlässt, wird es kaum bereuen.
Produktion
Regie: Zack Snyder
Kamera: Larry Fong
Musik: Tyler Bates
Drehbuch: Alex Tse, David Hayter
Nach dem Comic von: David Gibbons & Alan Moore
Darsteller
Jackie Earl Haley (als Rorschach)
Malin Ackerman (als Silk Spectre II)
Carla Gugino (als (als Silk Spectre)
Jeffrey Dean Morgan (als Comedian)
Patrick Wilson (als Nite Owl II)
"Déjà Vu" - Bye! Wir sehen uns gestern!
(Filmreview R. Sutter / Erschienen in der TDW # 2338, Januar 2007)
Einleitung und Inhalt
Die Bewohner der einst so prächtigen Südstaatenmetropole New Orleans lassen sich nicht unter-zukriegen. Knapp sechs Monate, nachdem Hurrican Katrina eine Wüste der Zerstörung hinterlas-sen hat, feiern sie das jährliche "Mardi-Gras"-Festival und tun ihr übriges, um langsam wieder zur Normalität zurückzukehren.
Auf einer Fähre herrscht derweil ausgelassen Stimmung. Die Menschen tanzen, singen, winken und freuen sich ihres Lebens. Doch um 10.50 Uhr explodiert das Schiff in einer gewaltigen Feu-ersbrunst und reisst die 543 Passagiere in den Tod. Ein neuer Terrorakt in den USA.
Als die Spurensicherung beginnt, findet Agent Doug Carlin (Denzel Washington) vom ATF (US Bureau of Alcohol, Tobacco und Firearms) schnell ein paar seltsame Vorkommnisse, die ihn jedoch nicht weiterbringen. Doch dann wird FBI-Agent Pryzwarra (Val Kilmer) auf ihn auf-merksam und offenbart ihm eine neue unglaubliche Ermittlungsmethode. Pryzwarra und sein Team haben eine Maschine entwickelt, die ihnen erlaubt, in einem gewissen Radius in die Ver-gangenheit zu sehen. Exakt vier Tage und sechs Stunden. Allerdings ohne vor- oder zurückzu-spulen (!) Doch die Maschine kann noch viel mehr, und bald muss sich Carlin fragen, ob man die Vergangenheit ändern kann oder das Schicksal für jeden Menschen bestimmt ist.
Kritik
Wir haben es hier mit einer typischen Jerry Bruckheimer Produktion zu tun, und wenn Sie sich halbwegs für Actionfilme interessieren, dann haben Sie zu 100% auch schon Filme von ihm ge-sehen ("The Rock", "Face Off", "Bad Boys", "Armageddon", "Con Air", "Pirates of the Carib-bean", "Beverly Hills Cop" usw.). Bruckheimer-Filme sind Hochglanzwerke, teuer und explosiv. Hier herrscht Style over Substance, das Drehbuch ist klar sekundär, was zählt, sind die Stars und die Action. Bruckheimer ist ein Gütesiegel, und der Kinozuschauer weiß genau, was er bekommt. Erwarten Sie keine Meisterwerke. Erwarten Sie actionreiche Unterhaltung vom Feinsten. Wer seine Filme nicht mag, kann sich dieses Review getrost sparen.
Sind Sie noch da, verehrter Leser? Nun denn, wir haben es hier mit einem typischen Tony Scott Film zu tun, und wenn Sie sich halbwegs für Actionfilme interessieren, dann haben Sie zu 100% auch schon Filme von ihm gesehen ("Crimson Tide", "Enemy of the State", "Top Gun", "Beverly Hills Cop II", "Man on Fire", "The Last Boy Scout", "Days Of Thunder" usw.) Filme von Tony Scott sind Hochglanzwerke, teuer und explosiv. Hier herrscht Style over Substance, das Dreh-buch ist klar sekundär, was zählt sind die Stars und die Action. Tony Scott ist ein Gütesiegel, und der Kinozuschauer weiß genau, was er bekommt. Erwarten Sie keine Meisterwerke. Erwarten Sie actionreiche Unterhaltung vom Feinsten. Wer seine Filme nicht mag, kann sich dieses Review getrost sparen.
Sind Sie immer noch da, verehrter Leser? Na, dann herzlich willkommen bei "Déjà Vu": dem Film, der seltsam vertraut wirkt, weil Sie glauben, alles irgendwie früher einst erlebt zu haben. Und genau das haben Sie auch. Neulich lästerte ich noch lautstark über das stupide Fantasy-machwerk "Eragon", und wie sehr ich es verabscheue, Filme zu sehen, die fast nur aus geklauten Szenen zu bestehen scheinen. "Déjà Vu" klaut auch ziemlich viel, und das Drehbuch ist stellen-weise so hirnrissig, dass man sich fragen muss, ob die Herren Marsili und Rossio (ihres Zeichens Autoren) ihre Arbeit in nüchternem Zustand geschrieben haben. Obwohl die Geschichte jedoch ziemlich absurd und voller sonderbarer Zufälle daherkommt, verweigert mir der Film leider einen Verriss, weil er ganz einfach gut unterhält und ziemlich spannend ist. Klar ist es lächerlich, wie einfach Agent Doug Carlin einen kleinen unscheinbaren Plastikfetzen augenblicklich als Bruchstück eines Zeitzünders erkennt, sich aus 543 Toten sofort die richtige Leiche für die Er-mittlungen herauspickt und mit einer solch herrlich naiven Leichtigkeit die Existenz einer Zeit-maschine akzeptieren kann, doch wenn der Kerl von Denzel Washington ("Man on Fire", "Crim-son Tide") gespielt wird, dann würde ich dem Typen auch glauben, dass er die als Dramaqueen wiedergeborene Rapunzel ist. Der Typ hat einfach etwas Glaubwürdiges an sich. Doch auch der übrige Cast kann sich sehen lassen und trägt viel dazu bei, dass aus diesem Film ein fesselnder Thriller und nicht ein unfreiwillig komischer Krimi geworden ist. Val Kilmer ("Heat"), Paula Patton ("Hitch"), James Caviezel ("The Passion Of The Christ ") etc. machen ihre Sache mehr als gut und werten das wahrlich absurde Drehbuch wieder auf. Apropos aufwerten. Dank der schmissigen, tollen Regie von Tony Scott legt der Streifen bisweilen ein ziemliches Tempo vor. Langweilig wird einem nicht. Trauriges Glanzlicht des Films ist der Schauplatz selbst: New Or-leans. "Déjà Vu" war die erste Filmproduktion, welche in der zertrümmerten Stadt gedreht wur-de. Die Bilder, die Scott eingefangen hat, lassen das erlittene Leid und die ungeheure Kraft des Hurrican Katrina (auf Grossleindwand wohlgemerkt!) besser erfassen als die zahlreichen TV-Bilder. Dass die Aufnahmen in der Stadt entstanden, wurde von den Machern übrigens nicht nachträglich beschlossen. Bereits in Drehbuchform war die einst blühende Jazzmetropole Schau-platz der Zeitreisestory.
Fazit
Vorzüglich besetzter Actionthriller, der in Sachen Glaubwürdigkeit vom Kinopublikum einiges an Entgegenkommen voraussetzt. Die Logik können Sie hier vergessen, und einen besseren Den-zel Washington erleben Sie in "Inside Man", aber wenn Sie einen unterhaltsamen Kinoabend planen und sich von der Zeitreisethematik nicht abschrecken lassen, wäre "Déjà Vu" keine so schlechte Wahl. Im Übrigen, wer Bruckheimer mag… Sie wissen schon…
Produktion
Regie: Tony Scott
Produzent: Jerry Bruckheimer
Drehbuch: Bill Marsili und Terry Rossio
Darsteller
Denzel Washington (als Doug Carlin)
Val Kilmer (als Agent Pryzwarra)
James Caviezel (als Carroll Oerstadt)
Bruce Greenwood (als Jack McCready)
"The Spirit"
... "Was denn, Toiletten sind immer lustig!"
(Filmreview R. Sutter)
Inhalt
Jede Stadt hat seinen Superhelden. Metropolis hat Superman, New York hat Spiderman, Springfield hat Homer Simpson, und Central City hat "The Spirit", einen Ex-Bulle namens Denny Colt, der erschossen wurde und dann zurückkehren durfte, um böse Schurken zu verhauen, doofe Sexbomben zu betören und unschuldige Zuschauer in den Schlaf zu labern.
"The Spirit" (Gabriel Macht) ist ein Mann ohne echte Superkräfte. Sein Vorteil ist jedoch, dass seine Wunden unglaublich schnell heilen. Mit angeklebter Augenmaske macht er sich auf die Jagd nach seinem Erzfeind, "The Octopus" (Samuel L. Jackson). Besiegen konnte er den grössenwahnsinnigen Spinner freilich nicht, denn der Kerl ist, wie er selbst, beinahe unsterblich.
Kritik
Es gibt gute Filme und es gibt schlechte Filme. Es gibt sogar gute schlechte Filme. Und es gibt Filme wie "The Spirit". Die sind so schlecht, dass sie zu schlecht sind, um so schlecht zu sein, dass sie schon wieder gut wären. Alles verstanden? Nein? Ein Beispiel:
USA. 1966. Adam West. Klingelt da etwas? Nun, damals gab es diese lustige Comic-TV-Serie namens "Batman", die nahm sich furchtbar ernst und unterlegte jede Kampfszene mit dem aus den Heften bekannten KABOOOM, BÄÄÄÄHM, ZACK. Die Serie war schon damals grottig, ist aufgrund ihrer unfreiwillig komischen, und in ihrer hoffnungslos veralteten Art aber eine Bereicherung für jede feucht-fröhliche Filmparty. Das Tolle an dieser "Batman"-Serie? Nichts, aber man kann herzlich über sie lachen. Das Tolle an "The Spirit"? Nichts, aber auch gar nichts.
Ich höre bereits die Proteste: "Hey… du Nerd, schon bemerkt? Scarlett Johansson, Paz Vega, Jamie King und Eva Mendes sind in dem Streifen! Letztere sogar nackt! Was will Mann mehr?"
Vielleicht eine Story die nicht simpler gezeichnet ist als ein schwarzer Strich auf weissem Papier? Womöglich Dialoge, die nicht selbst einer mit Stroh gefüllten Vogelscheuche peinlich wären? Eventuell ein Regisseur, der seinen Job nicht nur deswegen bekam, weil er zufällig einer der angesagtesten Comic-Zeichner/Schreiber ist ("Elektra", "SinCity", "300") und ausserdem mit Will Eisner, dem Erschaffer des Originalheftchens, freundschaftlich verbunden war? Unter Umständen, wenigstens ein Film, welcher halbwegs zu unterhalten vermag?
Was ist schief gelaufen?
Problem Nummer Eins: das Drehbuch. Frank Miller schreib bereits "Robocop" 2 und 3. Er weiss also seit den 90ern, wie ein Script aussehen müsste, um das Interesse der Zuschauer länger als bis zur nächsten Szene wach zu halten. Das Drehbuch zu "The Spirit" enthält unglaublich viele blödsinnige Onliner wie beispielsweise der Toiletten-Spruch von oben. Die sollen witzig und cool sein, sind jedoch einfach nur peinlich. Normale Sätze gibt es nicht. Entweder sind sie ätzend übertrieben, erklären das Offensichtliche oder sind schlicht schwachsinnig. Da gibt es ganze Monologe, die sind so hohl, dass selbst Dumpfbacke Kelly Bundy den Kopf schütteln würde. Eine solche Szene gipfelt in einer Rede von Octopus, in Naziuniform und mit übergrossen Adolf Hitler Portrait zu seiner Rechten.
Bei allem Respekt für Frank Miller und Will Eisner, die erzählte Geschichte lässt sich selbst für eine Comicverfilmung nicht ernst nehmen und erinnert in ihrer Blödheit an die unsäglichen Werke eines Roger Corman oder Russ Meyer.
Problem Nummer Zwei: die Schauspieler: Gabriel Macht als geistloser "The Spirit" gibt sich sichtlich Mühe. Eva Mendes lässt sich derweil von einem unbekannten, kleinen Mädchen, welches die gleiche Rolle in einem Flashback verkörpert, so locker an die Wand spielen, dass es beschämend ist. Die einzige Rolle, die Scarlett Johansson derweil ausfüllt, ist die, ihr üppiges Dekoltee ausgiebig zu präsentieren, ansonsten schauspielert sie wie eine unter Drogen stehende Marionette der Augsburger Puppenkiste. Den Vogel schiesst schliesslich der einst grossartige Samuel L. Jackson ab. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass es natürlich schwierig ist, eine Figur glaubwürdig zu verkörpern, die in einer Szene ausschaut wie eine Mischung zwischen Mr. T und Puffmutter und bei einem anderen Auftritt wie ein als Elvis-Imitator verkleideter Samurai. Es fragt sich allerdings, was ein Mime seines Kalibers dazu treibt, eine solche Rolle anzunehmen. Okay… ausser Geld natürlich.
Problem Nummer Drei: der Look und die Regie. Nun gut, "SinCity" war visuell berauschend, und Frank Miller durfte scheinbar ein paar Szenen beisteuern. Der Look von diesem Streifen ist ähnlich, nur viel billiger, planlos, überstilisiert. Manche Kompositionen passen nicht zusammen. Die CGI-Stadt sieht zuweilen aus wie Plastik. Miller mag zwar harte Kontraste, aber es darf bezweifelt werden, dass die Fans der Vorlage daran ihre Freude haben. Man stelle sich einfach mal "Lucky Luke" mit der Optik eines "SinCity" vor.
Die Regie selbst ist grauenhaft. Es gibt keinerlei Spannung (wie auch, wenn die beiden einzigen kleinen Actionszenen zwischen zwei Typen stattfinden, die eigentlich nicht sterben können?), keine wirkliche Atmosphäre, kein eigener Stil. Klar, vereinzelt gibt es tolle Bilder, aber für 100 Minuten verschwendete Lebenszeit wahrlich kein toller Deal.
Fazit
"The Spirit" ist fast so aufregend wie das Sammeln von Kaffeerahmdeckeln und beinahe so spannend wie Schäfchen zählen. Allerdings bietet der Streifen das schockierendste Filmende dieser Saison. Als nämlich Silken Floss, alias Scarlett Johansson, am Ende indirekt eine Fortsetzung dieses öden Schwachsinns in Aussicht stellt, stand mir beinahe das Herz still. <br>
Produktion
Regie: Frank Miller
Kamera: Bill Pope
Musik: David Newman
Drehbuch: Frank Miller
Darsteller
Gabriel Macht (als The Spirit)
Eva Mendes (als Sand Saref)
Scarlett Johansson (als Silken Floss )
Samuel L. Jackson (als Octopus)
Paz Vega (als Plaster of Paris )
(Filmreview R. Sutter)
Inhalt
Jede Stadt hat seinen Superhelden. Metropolis hat Superman, New York hat Spiderman, Springfield hat Homer Simpson, und Central City hat "The Spirit", einen Ex-Bulle namens Denny Colt, der erschossen wurde und dann zurückkehren durfte, um böse Schurken zu verhauen, doofe Sexbomben zu betören und unschuldige Zuschauer in den Schlaf zu labern.
"The Spirit" (Gabriel Macht) ist ein Mann ohne echte Superkräfte. Sein Vorteil ist jedoch, dass seine Wunden unglaublich schnell heilen. Mit angeklebter Augenmaske macht er sich auf die Jagd nach seinem Erzfeind, "The Octopus" (Samuel L. Jackson). Besiegen konnte er den grössenwahnsinnigen Spinner freilich nicht, denn der Kerl ist, wie er selbst, beinahe unsterblich.
Kritik
Es gibt gute Filme und es gibt schlechte Filme. Es gibt sogar gute schlechte Filme. Und es gibt Filme wie "The Spirit". Die sind so schlecht, dass sie zu schlecht sind, um so schlecht zu sein, dass sie schon wieder gut wären. Alles verstanden? Nein? Ein Beispiel:
USA. 1966. Adam West. Klingelt da etwas? Nun, damals gab es diese lustige Comic-TV-Serie namens "Batman", die nahm sich furchtbar ernst und unterlegte jede Kampfszene mit dem aus den Heften bekannten KABOOOM, BÄÄÄÄHM, ZACK. Die Serie war schon damals grottig, ist aufgrund ihrer unfreiwillig komischen, und in ihrer hoffnungslos veralteten Art aber eine Bereicherung für jede feucht-fröhliche Filmparty. Das Tolle an dieser "Batman"-Serie? Nichts, aber man kann herzlich über sie lachen. Das Tolle an "The Spirit"? Nichts, aber auch gar nichts.
Ich höre bereits die Proteste: "Hey… du Nerd, schon bemerkt? Scarlett Johansson, Paz Vega, Jamie King und Eva Mendes sind in dem Streifen! Letztere sogar nackt! Was will Mann mehr?"
Vielleicht eine Story die nicht simpler gezeichnet ist als ein schwarzer Strich auf weissem Papier? Womöglich Dialoge, die nicht selbst einer mit Stroh gefüllten Vogelscheuche peinlich wären? Eventuell ein Regisseur, der seinen Job nicht nur deswegen bekam, weil er zufällig einer der angesagtesten Comic-Zeichner/Schreiber ist ("Elektra", "SinCity", "300") und ausserdem mit Will Eisner, dem Erschaffer des Originalheftchens, freundschaftlich verbunden war? Unter Umständen, wenigstens ein Film, welcher halbwegs zu unterhalten vermag?
Was ist schief gelaufen?
Problem Nummer Eins: das Drehbuch. Frank Miller schreib bereits "Robocop" 2 und 3. Er weiss also seit den 90ern, wie ein Script aussehen müsste, um das Interesse der Zuschauer länger als bis zur nächsten Szene wach zu halten. Das Drehbuch zu "The Spirit" enthält unglaublich viele blödsinnige Onliner wie beispielsweise der Toiletten-Spruch von oben. Die sollen witzig und cool sein, sind jedoch einfach nur peinlich. Normale Sätze gibt es nicht. Entweder sind sie ätzend übertrieben, erklären das Offensichtliche oder sind schlicht schwachsinnig. Da gibt es ganze Monologe, die sind so hohl, dass selbst Dumpfbacke Kelly Bundy den Kopf schütteln würde. Eine solche Szene gipfelt in einer Rede von Octopus, in Naziuniform und mit übergrossen Adolf Hitler Portrait zu seiner Rechten.
Bei allem Respekt für Frank Miller und Will Eisner, die erzählte Geschichte lässt sich selbst für eine Comicverfilmung nicht ernst nehmen und erinnert in ihrer Blödheit an die unsäglichen Werke eines Roger Corman oder Russ Meyer.
Problem Nummer Zwei: die Schauspieler: Gabriel Macht als geistloser "The Spirit" gibt sich sichtlich Mühe. Eva Mendes lässt sich derweil von einem unbekannten, kleinen Mädchen, welches die gleiche Rolle in einem Flashback verkörpert, so locker an die Wand spielen, dass es beschämend ist. Die einzige Rolle, die Scarlett Johansson derweil ausfüllt, ist die, ihr üppiges Dekoltee ausgiebig zu präsentieren, ansonsten schauspielert sie wie eine unter Drogen stehende Marionette der Augsburger Puppenkiste. Den Vogel schiesst schliesslich der einst grossartige Samuel L. Jackson ab. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass es natürlich schwierig ist, eine Figur glaubwürdig zu verkörpern, die in einer Szene ausschaut wie eine Mischung zwischen Mr. T und Puffmutter und bei einem anderen Auftritt wie ein als Elvis-Imitator verkleideter Samurai. Es fragt sich allerdings, was ein Mime seines Kalibers dazu treibt, eine solche Rolle anzunehmen. Okay… ausser Geld natürlich.
Problem Nummer Drei: der Look und die Regie. Nun gut, "SinCity" war visuell berauschend, und Frank Miller durfte scheinbar ein paar Szenen beisteuern. Der Look von diesem Streifen ist ähnlich, nur viel billiger, planlos, überstilisiert. Manche Kompositionen passen nicht zusammen. Die CGI-Stadt sieht zuweilen aus wie Plastik. Miller mag zwar harte Kontraste, aber es darf bezweifelt werden, dass die Fans der Vorlage daran ihre Freude haben. Man stelle sich einfach mal "Lucky Luke" mit der Optik eines "SinCity" vor.
Die Regie selbst ist grauenhaft. Es gibt keinerlei Spannung (wie auch, wenn die beiden einzigen kleinen Actionszenen zwischen zwei Typen stattfinden, die eigentlich nicht sterben können?), keine wirkliche Atmosphäre, kein eigener Stil. Klar, vereinzelt gibt es tolle Bilder, aber für 100 Minuten verschwendete Lebenszeit wahrlich kein toller Deal.
Fazit
"The Spirit" ist fast so aufregend wie das Sammeln von Kaffeerahmdeckeln und beinahe so spannend wie Schäfchen zählen. Allerdings bietet der Streifen das schockierendste Filmende dieser Saison. Als nämlich Silken Floss, alias Scarlett Johansson, am Ende indirekt eine Fortsetzung dieses öden Schwachsinns in Aussicht stellt, stand mir beinahe das Herz still. <br>
Produktion
Regie: Frank Miller
Kamera: Bill Pope
Musik: David Newman
Drehbuch: Frank Miller
Darsteller
Gabriel Macht (als The Spirit)
Eva Mendes (als Sand Saref)
Scarlett Johansson (als Silken Floss )
Samuel L. Jackson (als Octopus)
Paz Vega (als Plaster of Paris )
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