Montag, 31. März 2014

"Captain America - The Winter Soldier"

Nach den verheerenden Kämpfen in New York (Siehe "The Avengers") versucht Steve Rogers (Chris Evens), auch besser bekannt als Captain America, sich langsam an die Neuzeit zu gewöhnen. Er zieht nach Washington D.C. und fängt gerade an sich, so langsam einzugewöhnen, als plötzlich ein S.H.I.E.L.D.-Kollege angegriffen wird. Captain America wird daraufhin in ein Netz aus Intrigen verwickelt, welches die Welt erneut an den Rand der Zerstörung bringt.

Soweit die offizielle Inhaltsangabe.


Kritik:

(Ohne Spoiler)

Tss… die Marvel Studios sind echt nicht lernfähig.

Seit Jahren zeigen uns Produktionsfirmen in Hollywood, wie ein echter Blockbuster auszusehen hat. Und Marvel kriegt es einfach nicht hin. Es ist zum Verrückt werden. Ja, wie bescheuert sind die denn? Es wäre doch so einfach, aber nein, mit schöner Regelmässigkeit beweist uns die Comic-Company ihre Unfähigkeit. Das geht langsam Richtung Arbeitsverweigerung. Dabei gibt es doch nur ein paar wenige Blockbuster-Gesetze, die es zu beherzigen gilt. Das fängt schon damit an, dass man das ganze Millionen-Budget doch selbstverständlich in die Effekte steckt und damit sicherlich nicht irgendwelche dahergelaufenen Drehbuchautoren bezahlt, die dann wahnsinnigerweise auch noch etwas von ihrem Handwerk verstehen, also bitte. Der Kinogänger will Explosion statt Exposition. Wobei man bereits beim nächsten Thema wäre: Dramaturgie. Das einzige Tiefgründige, was der Kinojunkie entdecken will, ist das letzte übrig gebliebene PopCorn aus seinem 5 Liter Eimer, aber doch logischerweise nicht beim strahlenden Helden. Und was bitte schön soll diese olle Marotte, plötzlich Oscarpreisträger und Charakterdarsteller zu engagieren? Geht’s noch? Schlimm genug, dass die Effekte so gekürzt wurden, dass diese nur noch eingesetzt werden, wenn sie Sinn machen, statt für den reinen Selbstzweck. Ja wohin soll das denn führen, Marvel?

Beim Gedanke daran, dass Marvel "Captain America"  verfilmen wollte, standen mir damals (als erklärter, fast schon stolzer Verachter jedweder Comicverfilmung) die Haare zu Berge. In typischer Hollywoodmanier stellte ich mir vor, wie Captain America das US-Sternenbanner durch die wildesten Kriegsschauplätze manöveriert und dem Bösewicht in seiner Bösewichtshütte ins Herz rammt. Oder wie er armen Mädchen erklärt, dass sie nicht fragen sollen, was er für sie tun könne, sondern was sie für ihr Land tun können. Notabene selbst, wenn dieser nur das dumme Pussycat vom Baum hätte holen müssen. Zitate, die an die Glorie eines George W. Bush erinnern, wie er einst sagte: "Auf jeden tödlichen Schuss kommen ungefähr drei nicht tödliche. Und, Leute, dies ist in Amerika unakzeptabel. Es ist einfach unakzeptabel. Und wir werden uns darum kümmern."

Ich war überzeugt, dass der Film schlicht nur dümmlich und voller Pathos sein würde, nur sein konnte.

Nun gut, "Captain America" war von einem aufregenden tollen Film etwa so weit entfernt, wie Clark Kent von Krypton, aber der ätzende zu erwartende amerikanische Pathos blieb aus und wurde nicht mit der Sensibilität von Thors Hammer in die Zuschauer eingeprügelt. Stattdessen hatte der Film überraschend viel Seele und wischte den Patriotismus mit viel Augenzwinker beiseite. Man konnte den Machern nicht genug dafür danken. Vor allem als Europäer.

Die Fortsetzung, die unter dem Namen "Captain America - The Winter Soldier" (sorry, ich weigere mich, diese überflüssigen deutsche Titeländerung zu verwenden) in die Kinos kommt, führt Marvels Bestreben, weiterhin zu wachsen, konsequent fort. Auf ziemlich beachtliche Weise. Wenn man es genau nimmt, deklassiert Marvel fast die gesamte Konkurrenz. Ein Blockbuster, noch dazu ein Comicverfilmung, so stimmungsvoll, tiefgründig und packend erzählt ist eine absolute Wohltat in Zeiten von "Transformers", "After Earth" und all den "Twillights".

Steve Rogers ist kein Narzisst wie Tony Stark, kein Aggrobuddy wie Bruce Banner, er ist Amerikas grösster Held, strahlender als die Bauten von Asgard, nur ohne Prunk und Protz. Doch diese Ikone ist durch seinen Jahre dauernden Tiefschlaf einsam und findet sich in der Neuzeit nicht wirklich zurecht. Seine grosse Liebe in der Historie verloren, seine Freunde von der tickenden Zeit dahin gerafft.

"Captain America - The Winter Soldier" ist tatsächlich eine würdige Fortsetzung, intelligent geschrieben, voller überraschender Storytwists, mit genügend Humor und Herz, alles perfekt dosiert, gleichzeitig aber auch überraschend düster. Marvel scheint sehr bemüht darum zu sein, mit jedem seiner Streifen dazu zu lernen, sich zu verbessern, etwas Neues zu bieten (wir haben es hier eigentlich mit einem waschechten Agententhriller zu tun) und sich nicht einfach auf den Lorbeeren auszuruhen. Das konnte man bereits beim letzten "Iron Man" beobachten, der absolut rein auf das Charisma seiner Figur aufbaute, statt einfach nur Stakkato-Action auf die Zuschauer hereinprasseln zu lassen. So muss es sein. "Cap 2" ist so vollgepackt mit Inhalt, da stört es eher weniger, wenn Nebenfiguren, wie sie beispielsweise von der stets bezaubernden Scarlett Johansson oder vom grossartigen Robert Redford dargestellt werden, etwas blass bleiben, obschon es vor allem beim Letzeren durchaus schade ist.



Fazit:

"Captain America - The Winter Soldier" ist pure Propaganda. Allerdings nur für Marvels Können. Der erste richtige Blockbuster in diesem Jahr, an den sich alle weitere potentiellen Kanditaten womöglich die Zähne ausbeissen werden. Da Marvel hiermit den vielleicht besten Film ihres Schaffens abliefern, wirkt es plötzlich gar nicht mehr so lächerlich, dass im nächsten Streifen ein sprechender Waschbär bewaffnet durchs All reist. "Guardians of the Galaxy" kann jedenfalls kommen.

PS: Wie üblich bei Marvels-Filmen, beim Abspann sitzen bleiben!

Wertung: 8 / 10



Regie: Anthony und Joe Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely, Ed Brubaker
Darsteller: Chris Evans, Robert Redford, Scarlett Johansson, Cobie Smulders, Hayley Atwell, Samuel L. Jackson






(Review Randolph Sutter)

Dienstag, 11. Februar 2014

"RoboCop"

Im Jahr 2028 ist der multinationale Konzern OmniCorp globaler Leader für Robotik. In dieser Zeit versucht der engagierte Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman) die steigende Kriminalität und Korruption in seiner Heimatstadt Detroit mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen. Als er im Dienst schwer verletzt wird, ist dies für OmniCorp die Gelegenheit, seine umstrittene Technologie endlich zum Einsatz zu bringen. 

Der Plan ist, im von Verbrechen verwüsteten Detroit den perfekten Polizisten zu schaffen: einen Gesetzeshüter, der halb Mensch und halb Roboter ist. Als Murphy im Krankenhaus erwacht, versteht er, dass er als unverwundbarer und gleichzeitig kontrollierbarer Prototyp dieser Erfindung den Reichtum von OmniCorp vervielfachen soll. Doch mit einer Sache hat der Konzern dabei nicht gerechnet: Sein Produkt besteht, zumindest in Teilen, aus einem menschlichen Wesen, das sich nicht vollständig kontrollieren lässt.


Kritik:

Paul Verhoeven. Cineasten lieben oder hassen ihn. Dazwischen gibt es nichts. Als der Holländer 1985 in Hollywood ankam, hätte wohl niemand gedacht, dass dieser Regisseur  dem Sci-Fi-Gerne gleich mit drei Werken seinen Stempel aufdrücken würde. "RoboCop", "Total Recall", "Starship Troopers". Sein Schaffen thematisiert Gewalt und Sexualität auf teils so extreme Art (vollkommen überzogen oder abstossend realistisch), dass seine Filme stets Gegenstand heftigster Diskussionen waren. Womöglich ist Verhoeven der einzige Blockbuster-Regisseur, der sich fast ständig den Zorn irgendwelchen gesellschaftlichen Gruppen einhandelte. Doch seine kompromisslose, aneckende Art sorgte vor allem für drei Genreklassiker und dafür, dass selbst die Szene eines Beinübereinanderschlagens in die Filmgeschichte einging.

Erstaunt es da noch jemanden, dass Hollywood seinen Filmen ein Remake beschert? Die Neuinszenierung von "Total Recall" war ein unterhaltsames, schlussendlich aber ziemlich banales, überbraves Abenteuer für Teenager, der seinem berühmten Original mitnichten das Wasser reichen konnte.  Und bevor nun "Starship Troopers" neu und ab 12 Jahren freigegeben aufgelegt wird, dürfen wir uns nun an der Neuinterpretation von "RoboCop" erfreuen. Erfreuen? Nicht ärgern? Nicht Naserümpfen, abfällig herziehen, über all die Unzulänglichkeiten schimpfen, die Hollywoodbosse verfluchen? Nein. Diesmal nicht. Der brasilianische Regisseur José Padilha hat durchaus etwas Eigenständiges aus dem reichlich nach Trash riechendem Thema gemacht. Das ist nicht notwendigerweise etwas Schlechtes, obschon dieser Film sicherlich kein Klassiker werden wird.

"RoboCop" steht beinahe als Synonym für ätzende Gesellschaftskritik. Vieles davon ging in der Neuinterpretation verloren, doch man könnte auch sagen, dass Padilha seinen Job nur etwas subtiler angeht. Wenn Samuel L. Jackson als stimmungsmachender Moderator Pat Novak ("Fox News" lässt grüssen!) an den Nationalstolz appelliert und die USA als die grossartigste Nation der Welt bezeichnet, während im Hintergrund die wehende Flagge eingeblendet wird, dann funktioniert das genauso gut wie im Original. Vielleicht nur mit dem Unterschied, dass es weniger Amerikaner verstehen werden. Dem Film kann man deswegen kaum einen Vorwurf machen.

Es muss den Fans des Originals nicht gefallen, dass auch dieser Streifen wieder sehr harmlos geworden ist. Brutalität wird nie so plakativ, beziehungsweise direkt gezeigt wie im Original, welches damals selbst in den USA nur geschnitten in die Kinos kam. Doch fehlendes Blut sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch "RoboCop 2014" Brutalität zeigt. Sei es, wenn eine ED209 Einheit einen lediglich mit einem Messer bewaffneten Jungen mit Patronen vollpumpt oder ein gametypischer Bodycount eingeblendet wird. Die Tötung fragwürdiger Subjekte wird mit einer emotionslosen Gleichgültigkeit zelebriert, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob bei der FSK nur die Anzahl roter Farbtupfer darüber entscheidet, welche Altersfreigabe ein Film erhält.

Bedauerlicherweise stimmt vieles an "RoboCop". Die Themen darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Freier Wille. Was ist man bereit, für Sicherheit alles in Kauf zu nehmen. Wann wird ein Mensch zur Maschine? Für mich, der immerhin selbst eine Beinprothese trägt, klingt vieles davon nicht nur nach den üblichen hohlen Phrasen, sondern beschert dem neuen "RoboCop" eine ebenso berechtigte Relevanz wie Existenz und vor allem tolle Momente, die einem auch zwischen der Action gut unterhalten. Bedauerlicherweise deswegen, weil dem Film trotz der vorzüglich choreografierten Action, gelungenen visuellen Einfällen, hervorragenden Darsteller (Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish  usw.) und guten Dialogen etwas fehlt. Der Story mangelt es trotz Menschlichkeit, Drama, Witz und Action an Spannung. Der Film lässt sich viel zu viel Zeit und verzichtet auf einen Antagonisten, der seine Bezeichnung auch verdient hätte. Ausserdem mangelt es an Schauwerten, was bei einem Film dieser Art erwartet werden darf. Wer weiss, womöglich hat die dauernde Wackelkamera die an sich guten Zutaten einfach so fest zusammengeschüttelt, dass die Highlights im Verborgenen blieben. 

Fazit:

Der neue "RoboCop"  ist anders, aber nicht unbedingt anders im Sinne von schlechter. Wer den Klassiker nicht kennt oder sich darauf einstellen kann, dass dies eben kein Verhoeven-Film ist, dem wird ein überraschend stimmungsvoller, aber auch etwas steriler Streifen gezeigt, dessen Gegenwart gar nicht so weit von unserer eigenen entfernt zu sein scheint. Eine Zukunft die für manche willkommen, für andere jedoch beängstigend sein könnte.


Wertung: 7 / 10



Regie: José Padilha
Drehbuch: Nick Schenk, David Self, James Vanderbilt, Joshua Zeturner
Darsteller: Joel Kinnaman Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish, Samuel L. Jackson




(Review Randolph Sutter)

Samstag, 8. Februar 2014

"I, Frankenstein"


Also, es gibt da diesen ziemlich grimmigen Typen, Adam. Adam ist echt sauer, weil er zum Leben erweckt wurde. Zur Strafe für seine Unsterblichkeit killt er erst einmal die Geliebte seines Erschaffers. Das hebt seine Laune aber auch nicht. Egal, jedenfalls der Typ kennt andere Typen, echt miese Drecksäcke und ebenso mies gelaunt. Nun, der Typ verhaut die anderen Typen, dann kommen weitere Typen von anderen üblen Typen und die schicken sich dann gegenseitig über den Jordan. Dann kriegt er Hilfe von den Typen, die ihn vorher eigentlich töten wollten, aber nur weil sie ihn eigentlich doch töten wollten, aber dann helfen sie ihm dennoch gegen die anderen Typen, die ihn auch killen wollen. Yo, klar, so ganz Sinn macht der Streifen nicht, aber hey, der Typ, Adam, der trifft dieses Chick aus "Chuck", kennste, ne?  Strahovski, wow. Nein, die verprügelt niemanden, aber sie darf ein paar Mal auf irgendwelche Knöpfe drücken. Echt grosses Kino sag ich dir, yo.


Kritik:

Erinnert sich noch jemand an "Van Helsing", den zehn Jahre alten Mystery-Pseudo-Horrorfilm und Möchtegern-Blockbuster von Stephen Sommers? Mit Hugh "Wolverine" Jackman? Nein? Der war damals echt übel und startete die hollywoodsche  Idee, berühmte Figuren als G.I. Joes auf die Leinwand zu bringen. Dummys mit Muskeln und Mantel, die im inszenatorischen Effektoverkill vor allem auf der Suche nach einer halbwegs interessanten Geschichte waren. Sandkastenfilme, die sich anfühlten, als wäre der Regisseur Godzilla, der träge (oder betrunken) durch Tokio stampft und alles zertrampelt, was nach Intelligenz, Originalität, Witz oder Drama aussieht. Seien wir ehrlich, dagegen war selbst die Story von Klempner Mario, der sich der Rettung von Prinzesschen Peach verschrieben hat, ein wahres Meisterwerk an Erzählkunst. Nach den Sherlocks, den Hänseln und Gretels, Schneeflittchens oder irgendwelchen Axt schwingenden Ex-Präsidenten bricht nun also die Zeit von Frankenstein an. Man mag gar nicht daran denken was da noch alles auf uns zukommen mag, "Heidi - The Teenage Bitch" mit ihren Monsterziegen? Verkleidungskünstler Quasimodo, der die gar schreckliche Vampirkönigin Esmeralda über die Dächer von Paris jagt? Selfmade-Millionär Hercule Poirot, der in Rambomanier gleich selbst den "Tod auf dem Nil" zur Gerechtigkeit verhilft?

Aber bleiben wir bei Frankie oder besser gesagt Adam, denn "I Frankenstein" erzählt nicht die Geschichte des jungen Schweizers Viktor Frankenstein, der an der Universität Ingolstadt, ein neues Wesen schuf, sondern die Story vom gewissermassen sehr tragischen Monster. Die Kreatur, die aus diversen Körperteilen und aus Fleisch von acht Mördern erschaffen wurde (die wohl allesamt aussahen wie Fabio oder Schwarzenegger), artikuliert sich deutlich geschmeidiger als sein grobklotziges Original und trägt lieber einen trendigen Kapuzenpulli und zeigt gerne mal das protzige Sixpack als die zweihundert Jahre andauernde Lebensspanne wenigstens mit einem Hauch von Inhalt zu füllen. Ob es für Regisseur und Drehbuchautor Stuart Beattie ("Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl"),  nicht seltsam ist, dass ein altes, sabberndes, schlurfendes entstelltes Monster wesentlich tiefgründiger und interessanter ist, als sein sprechender Bodybuilder in Designerjeans und mit stylishen Narben? Wenn man auch noch bedenkt, dass der Schauspieler jener Figur ein ebenso charismatischer wie facettenreicher Aaron Eckhart ist ("The Dark Knight", "Thank you for smoking"), wird einem plötzlich bewusst, wie unfassbar belanglos und fad Beatties neustes Werk geworden ist. So sehr nach Schema F, dass man beinahe eine weitere Unterkategorie einführen müsste.  

Böse Zungen würden behaupten, man sei ja selbst schuld. Auf dem Kinoplakat steht schliesslich gross genug: "von den Produzenten von Underworld". Was will man da erwarten? Wie sehr die Macher die eigentlich unoriginellen Ideen recyceln, bemerkt der langsam dahin dösende Zuschauer daran, dass auch hier wieder ein Jahrhunderte andauernder Krieg bemüht wird. "Underworlds"-Vampire und Lykaner wurden nun durch Dämonen und peinliche CGI-Gargoyles ausgetauscht. Damit der eingenickte Kinogänger der Story nach einigen verpassten Minuten problemlos folgen kann, wurde sicherheitshalber gleich wieder Bill Nighy für die Rolle des Schurken gecastet. Wie überraschend, dass Supergirl Yvonne Strahovski ("Dexter") meist nur hübsch rumsteht und nicht wie Selene in "Underworld" das üble Gesocks in die Hölle schickt. Wehe, wer jetzt "warte auf Teil 2" ruft!

Am Ende ist der Streifen ein aus zahlreichen Versatzstücken gespickter Einheitsbrei, der so krampfhaft cool sein will, dass man sich beinahe für die Schauspieler fremdschämen muss. Nonstop die immer gleichen Actionszenen ohne jegliche Spannung (oder Menschen!). Eine Theatralik, die an die gute alte "Power Rangers"-Zeiten erinnert. Effekte, bei denen man sich ernsthaft fragt, wohin eigentlich das Budget geflossen ist. Masken, die wie ein "Buffy-Revival" anmuten. Eine Geschichte, die vorhersehbarer und schlichter nicht sein könnte und sich nicht einmal darum bemüht, auch nur einen einzigen Höhepunkt zu bieten.

Gehe ich zu hart mit dem Film ins Gericht? Möglich. Für mich ist Film Kunst. Filmemacher sollten Künstler sein, die sich mit Hingabe ihrer Vision widmen. Dieser Film ist reine Buchhaltung.



Fazit:

Mary Shelley warnte in ihrer berühmten Erzählung vor einer egoistischen menschlichen Vernunft, die sich selbst zum Gott ernennt und in ihrer Arroganz lebendige Materie erschafft. Es bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer von "I Frankenstein" wenigsten ihre Filmfreunde vor diesem Werk der vollendeten Belanglosigkeit und perfektionierten Langeweile warnen. Ein Film, welcher von der Pharmaindustrie durchaus als Schlafmittel beworben werden dürfte.

Ach ja, übrigens: der Film ist scheinbar in 3D.

Wertung: 5 / 10



Regie: Stuart Beattie
Drehbuch: Stuart Beattie, Kevin Grevioux
Darsteller: Aaron Eckhart, Yvonne Strahovski, Bill Nighy, Miranda Otto, Jay Courtney






(Review Randolph Sutter)

Dienstag, 4. Februar 2014

"Riddick 3: Dead Man Stalking"

Nachdem Richard B. Riddick im letzten Teil der Reihe zum König der Necromonger gekrönt wurde, sitzt er auf seinen Thron, erfreut sich den Harfenklängen seines Barden und den Albernheiten seines Hofnarren. Derweil tänzeln die holden Maids des Underverse zu seinen Füssen. Und wenn er nicht ge… stop! Glücklicherweise passiert nichts von alledem, was aber leider nicht heisst, dass die eigentliche Geschichte viel origineller wäre. Stattdessen scheint die Story Richtung "Pitch Black" zurückgespult zu werden.

Und so landen wir wieder auf einem sonderbaren Farbfilter-Planeten, während Riddick von den üblichen Kopfgeldjäger verfolgt wird, die dann wiederum von irgendwelchen Monstern oder Riddick selbst (sofern es da einen grossen Unterschied gibt) massakriert werden.


Kritik:

"Pitch Black" war im Jahre 2000 ein kleiner kompromissloser Science-Fiction-Streifen, der nur so von Atmosphäre tropfte und mit Riddick den wohl interessanten und coolsten Antihelden seit Snake Plisken ("Die Klapperschlange") innehatte. Eine Figur, mit der Vin Diesel seinen Ruhm begründete und dies dann als Anlass nahm, den gleichen Charakter mit anderem Namen in "Tripple X" sowie der scheinbar endlosen "Fast and Fourious"-Reihe fortzuführen. Mit "The Chronicles of Riddick" bekam die junge Fangemeinde dann eine überteuerte, überambitionierte und überproportionierte Space Opera, die mit einigen originellen Ideen aufwarten konnte und sich wohltuend von den üblichen 08/15 Sci-Fi-Filmen abhob. Da die Kosten für den Film aber weit jenseits der 100 Millionen Dollar lagen (kein Vergleich zu den läppischen 28 Millionen von "Pitch Black"), mussten die Chroniken selbstredend auch für ein junges Publikum zugänglich gemacht werden. Die Devise lautete also: vom Horrorfilm zum Familienfilm. Dass die Fans eines kompromisslosen Badasses ihren Antihelden nicht als weichgespülten, beinahe schon sanften Helden erleben wollten, durften die Macher spätestens bei den mageren Einspielergebnissen und den durchwachsenen Kritiken bemerkt haben. Da man sich einen echten Flop geleistet hat, wäre dies für gewöhnlich das Ende einer Filmreihe. Allerdings wird die Figur Riddick wohl am meisten von Schauspieler Vin Diesel geliebt, und da sich dieser mit der scheinbar wirklich endlosen "Fast and Furious"-Reihe zurück in Hollywoods-A-Riege katapultiert hat, handelte er mit der Produktionsfirma Universal den Deal aus (man könnte es auch Erpressung nennen), das Geld für einen dritten Teil locker zu machen.

Und da haben wir ihn, "Riddick 3: Dead Man Stalking". Klein und fein wie "Pitch Black". Weniger originell, weniger spannend, weniger brutal, aber durch und durch Badass.

Eigentlich versteht sich Regisseur Twohy für gewöhnlich hervorragend darauf, Spannung zu erzeugen und Dialogzeilen interessant und schnippisch zu gestalten. Hier wirkt alles eine Spur übertrieben, aufgesetzt und schlicht zu bekannt. Der Film läuft so dermassen nach bekanntem Muster ab, dass man sich fragen muss, warum es Diesel und Twohy überhaupt so wichtig war, Riddick zurück auf die Leinwand zu bringen.

Lässt sich der Regisseur zu Beginn noch massig Zeit damit, Riddick allein auf dem Planeten beim Überlebenskampf zu präsentieren, ist spätestens mit der Ankunft der Söldner Schluss mit jeglichen Überraschungen. Das einzige verbliebene "Augenbrauen heben", welches dem geneigten Zuschauer noch bleibt, ist das doch ziemlich missratene Ende. Wenn man es aber richtig genau nimmt, scheint "Riddick 3" eine Art Demoband zu sein. So à la, schauen wir mal wie’s läuft, ehe wir dann wieder einen echten Teil drehen. Das Budget des Filmes war so gering, dass die Kulissen wie aus einer alten "Star Trek"-Folge erscheinen, einer echt alten "Star Trek"-Folge. Doch wie das klassische Trek versprüht "Riddick" seinen ganz eigenen Charme und lässt die Pappmachéfelsen schnell vergessen. Es macht Spass, dem wortkargen Fiesling zu folgen, obschon einige arg sexistische und lächerliche Dialogzeilen den Film Richtung 80er Jahre zurückkatapultieren.



Fazit:

Visuell der schlechteste Teil. Inhaltlich ebenso. Doch der Streifen rettet sich aufgrund der charismatischen Hauptfigur und einer stimmungsvollen Regie. Unterhaltsam ist der Film allemal, und wer die anderen beiden Teile mochte, wird auch dieses Hors d'oeuvre der Reihe sicherlich geniessen können. Die Produktionsfirma Universal gratulierte Vin Diesel zu den durchaus respektablen Einspielergebnissen. Einem weiteren Teil der Reihe steht nun nichts mehr im Wege und wurde bereits angekündigt. Das Budget dürfte wieder etwas grosszügiger ausfallen. Wollen wir also hoffen, dass Regisseur Twohy beim Sequel ein vollwertiges Menü serviert und zum Date auch wieder Genreliebling Katee Sackhoff ("Battlestar Galactica")  einlädt.

Wertung: 7 / 10



Regie: David Twohy
Drehbuch: David Twohy, Ken Wheat, Oliver Butcher, Stephan Cornwel
Darsteller: Vin Diesel, Karl Urban, Katee Sackhoff, David Batista u.a.





(Review Randolph Sutter)

Montag, 6. Januar 2014

"The Hobbit – The Desolation Of Smaug"

Zusammen mit Zauberer Gandalf und den dreizehn Zwergen unter der Führung des stolzen Thorin Eichenschild versucht Titelheld Bilbo Beutlin, den Einsamen Berg und das verlorene Reich Erebor zu befreien. Die Gefährten haben den Beginn ihrer nicht ganz so unerwarteten Reise gut überstanden und sehen sich schliesslich mit der grössten Gefahr konfrontiert - einem gar schändlich finsteren Drache namens…, nein nicht Elliot… Smaug.

… So weit, so bekannt.

Nachdem es inzwischen zum guten aber ungewollten Ton gehört, Bücher, die man eigentlich locker in einem einzelnen Film behandeln könnte, in mehrere Teile zu strecken, wartete das Publikum nicht mehr ganz so gespannt auf den fast dreistündigen Mittelteil von Peter Jacksons Hobbit-Trilogie. Dass ein 400 Seiten dünnes Kinderbuch in der erweiterten Fassung auf ein dreiteiliges, neunstündiges Leindwandwerk gestreckt wird, mutet schon ziemlich grotesk an. Was kann man da erwarten? Pimp my book? Eine filmische Umsetzung, in welcher auch das Impressum und die Ziffern, die als Seitenzahlen fungieren, als eine visuelle Komponente Eingang in den Film finden? Egal wie lächerlich dies klingen mag, wirklich falsch waren die Befürchtungen nicht, immerhin dauerte es im ersten Teil geschlagene fünfundvierzig Minuten, ehe der Titelheld überhaupt seine Reise antrat. Man stelle sich einen James Bond vor, der dreieinviertel Stunden am Tresen sitzt und seinen Martini schlürft, ehe er sich aufmacht, um Blofelds Glatze zu polieren. Doch obwohl Jacksons neue Tolkien Trilogie immer noch gänzlich blutleer und im direkten Vergleich zur Vorgängertrilogie immens schlichter ist, entpuppt sich "Smaugs Einöde" alles andere als öde. Neuseelands bekanntester Bürger versteht sein Handwerk so gut, dass selbst hochkomplizierte Szenen mit einer unglaublichen visuellen Leichtigkeit rüberkommen (Stichwort Fässerkampf) und in man diese Welt tief eintauchen kann. Vielleicht liess es sich der Regisseur deswegen nicht nehmen und gab sich selbst einen Cameo-Auftritt in der Anfangsszene der Menschenstadt Breen.

Die Reise des Hobbits wird so mitreissend, actiongeladen und optisch stimmungsvoll erzählt, dass die Überlänge genauso schnell vergessen ist wie das immer noch leicht irritierende HFR 3D (High Frame Rate). Inhaltlich kann man den Film nichts vorwerfen. Die Charaktere sind liebenswürdig und schrullig. Selbst die im Buch gar nicht existierenden Figuren wie die Elben Legolas und Tauriel wurden so perfekt in die Geschichte integriert, dass die Kenner der literarischen Vorlage meinen könnten, sie hätten damals eine gekürzte Version gelesen. Wie weit diese beiden Figuren (vor allem Letztere) im dritten Teil eine gewichtigere Rolle übernehmen, kann man nur vermuten. Nebst Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und dem Zauberer Gandalf (dargestellt vom stets grossartigen Sir Ian McKellen) liegt das Augenmerk der Geschichte vorwiegend auf den Schultern von Zwergenkönig Thorin Eichenschild (Richard Armitage) und dessen dunklen Schatten, die ein tragisches Schicksal ankündigen.

Als technische Meisterleistung entpuppt sich derweil der Drache Smaug. Furchteinflössend, majestätisch, geradezu atemberaubend. Mit der bedrohlichen, tiefen Stimme Benedict Cumberbatchs vertont, wirkt diese Fantasiefigur ähnlich lebendig wie seinerzeit Gollum und dürfte dem Film somit auch eine verdiente Oscar-Nominierung in der Sparte Effekte einbringen.

Ist der Hobbit der Film des Jahres 2013? Mitnichten. Die angedeutete und dazugedichtete Liebesromanze von Tauriel und Zwerg Kili wirkt arg aufgesetzt und eine akkurate Filmumsetzung sieht sicherlich anders aus, aber "Braindead"-Regisseur Jackson hat öfters bewiesen, dass er was im Kopf hat und ein grossartiger Geschichtenerzähler ist. Hier schöpft er aus den Vollen und beweist eindrücklich, dass man auch aus einem kleinen Buch ein bildgewaltiges Epos schaffen kann. Ein fesselndes Werk und ein grossartiger Film. Selten sah eine Kunstwelt so real und stimmungsvoll aus.


Wertung: 8 / 10


Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Frances Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, Guillermo del Toro
Nach dem Roman von J.R.R. Tolkien

Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Orlando Bloom, Evangeline Lilly, Luke Evans u.a.




(Review Randolph Sutter)

Donnerstag, 2. Mai 2013

"Riddick - Chroniken eines Kriegers"


(Review von R. Sutter, 2010)
 



 
"You're not afraid of the dark, are you?"
 
Fans von Science-Fiction Filmen kennen das ja. Man nimmt eine altbekannte, altbewährte, altbackene Geschichte, erweitert sie um ein paar kleine Details und schon hat man ein neues Drehbuch für ein nettes kleines Filmchen fertig, welches seine Kosten mit grösster Wahrscheinlichkeit wieder einspielen dürfte. "Pitch Black" war so ein Filmchen. Die "10 Kleine Negerlein"-Story mit den bewährten "Alien"-Zutaten wurde für läppische 30 Millionen Dollar inszeniert und beinhaltete die typischen Genreklischees und Ekeleffekte. Warum das unscheinbare Filmchen dennoch ein beachtlicher (wenn auch nicht spektakulärer) Hit wurde und das Produktionsstudio "Universal" nun über 100 Millionen Dollar in deren Fortsetzung hineingesteckt hat, liegt vor allen an einem dieser kleinen unscheinbaren Details von denen sich "Pitch Black" nicht gravierend, aber immerhin wohltuend von den üblichen Genrevertretern abhob: "Riddick".
 
Riddick ist eine dieser Kinofiguren, die man so schnell nicht vergisst. Charismatisch, durchtrainiert, mysteriös, gutaussehend, cool, nebenbei ein kaltblütiger Killer und übrigens der Held der Geschichte. Oder besser gesagt der Anti-Held von "Pitch Black". Die Figur des Riddick erhielt im neuen Superstar Vin Diesel ("Saving Privat Ryan", "xXx", "The Fast and the Furious") die Idealbesetzung. Riddick ist die erste Kinofigur des neuen Jahrhunderts mit ähnlichem Kultpotential wie ein Indiana Jones, Han Solo, oder Terminator. Kein Wunder also, dass Vin Diesel mit seiner Darstellung des schlagfertigen Anti-Helden auch gleich zum neuen Actionstar am Hollywoodhimmel aufgestiegen ist.
 
Riddick hat die letzten vier Jahre seit seinem Absturz auf einem monsterverseuchten Planeten (siehe "Pitch Black") damit zugebracht, sich auf der Flucht vor Kopfgeldjägern am Rande der Galaxie zu verstecken. Schließlich landet er auf dem Planeten Helion, der Heimat einer fortgeschrittenen und multikulturellen Gesellschaft, die aber von dem machtgierigen und kaltblütigen Lord Marshal (Colm Feore) mit Hilfe seiner Krieger, den finsteren Necromongers, unterjocht wird. Riddick verstrickt sich dabei immer tiefer in einen galaktischen Krieg deren Ende nicht abzusehen ist.
 
"Riddick - Chroniken eines Kriegers" präsentiert sich als großes, episches und ambitioniertes Science-Fiction Spektakel und ist eigentlich als Trilogie angelegt. Von den beeindruckenden CGI-Welten und dem überwältigenden Set-Design her, erinnert der Film eher an David Lynchs Werk "Dune – Der Wüstenplanet", auch wenn Regisseur und Drehbuchautor David T. Twohy ("Below") "Riddick" lieber als den bösen Zwilling von "Star Wars" betrachtet.
 
Im Gegensatz zu anderen Fortsetzungen von erfolgreichen Filmen, hebt sich "Riddick" wohltuend vom üblichen Hollywood Vorgehen ab. Es wäre ein leichtes gewesen, einen neuen Monsterfilm wie "Pitch Black" zu inszenieren, immerhin folgt die "Alien"- oder die "James Bond"-Reihe auch dem ewig gleichen Schema, doch David Twohy und sein Hauptdarsteller und Produzent Vin Diesel wollten ein komplett eigenes Universum erschaffen.
 
Diesel machte sich Sorgen darüber, wie sich Fortsetzungsfilme auf seine Karriere auswirken könnten, und dass er dadurch seine Kreativität verlieren würde (aus diesem Grund unterschrieb er auch nicht für die Sequels von "xXx" und "The Fast and the Furious"). Er wollte an einem völlig eigenen Projekt arbeiten. Eines, welches sich nicht auf eine Buch- oder Comicvorlage stützt. "Riddick" sollte deswegen ein einzigartiges, originales Projekt werden und Diesel ist im nachhinein überaus stolz und zufrieden damit. Viele Dinge in dem Film hat man so noch nie im Science-Fiction Genre gesehen und während der fünf Jahre dauernden Produktion, ist um die Figur des undurchschaubaren Alleingängers  eine richtige Mythologie entstanden.
 
Der Film ist dann auch trotz den zahlreichen Actionszenen und den coolen Oneliner kein Popcorn-Movie im üblichen Sinne geworden und präsentiert sich dafür ähnlich düster und opulent wie "Herr der Ringe".
 
 
 
Produktion
Regie und Drehbuch: David T. Twohy
Darsteller
Vin Diesel
Judi Dench
Colm Feore
Thandie Newton
Karl Urban
Alexa Davalos
 





 

Dienstag, 30. April 2013

"I, Robot"

(Review R. Sutter) 


"Blasphemie! Wie konnte es Hollywood nur wagen aus einem Isaac Ashimovs-Roman einen Actionfilm zu machen? Und dann erst dieser schreckliche Trailer. Hirnlose Nonstop-Action, Ein CGI-Effektgewitter ohne Verstand. Ein typischer Will Smith-Film eben, da kann ja nur ein hirnloses Popcorn Movie daraus werden. Sowas werde ich mir nicht anschauen. Garantiert nicht. Niemals!"

Tja, wer so denkt, verpaßt einen unterhaltsamen Blockbuster. Ich darf nämlich Entwarnung geben, denn aus "I, Robot" wurde nicht die befürchtete "Star Wars Episode II: Attack of the Clones"-Version von "Blade Runner". Der Vorwurf, dass "I, Robot" lediglich die drei Gesetze der Robotik aus Ashimovs Science-Fiction-Klassiker übernommen hat und der Rest des Films frei erfunden ist, kann man dem Film auch nicht anlasten, Schliesslich besteht das Buch aus neun leicht miteinander verknüpften Kurzgeschichten und sowas ist für eine Verfilmung eher schlecht geeignet und finanziell wohl auch ein zu großes Risiko.

"I, Robot" erzählt die Geschichte des etwas paranoiden Polizisten und Roboter-Rassisten Del Spooner (Will Smith). In der guten alten Zeit stehen geblieben, hat er es im Jahre 2035 nicht besonders leicht. Roboter gehören genau so zum Alltag wie heutige Mobiltelefone oder MP3-Player. Die Blechkameraden unterstehen drei simplen Richtlinien. Diese sollen verhindern, dass je ein Mensch durch sie Schaden nehmen kann. Sehr zum Leidwesen von Spooner funktionieren diese Regeln perfekt. Eines Tages wird der Cop zu dem mächtigen High-Tech-Konzern U.S. Robotics gerufen, weil deren Chefentwickler Dr. Lanning (James Cromwell, "Star Trek - First Contact") scheinbar Selbstmord begangen hat. Doch Spooner schenkt dieser These keinen Glauben und hat im Roboter Sunny auch bereits den Täter ausfindig gemacht.

Der Film von Regisseur Alex Proyas ist beileibe nicht so vorhersehbar wie man nach dem Trailer meinen könnte. Die eigentliche "Wer-ist-der-Täter"-Thematik ist sicherlich nicht so clever aufgebaut wie Steven Spielbergs "Minority Report", bietet aber genügend Überraschungen um vorzüglich zu unterhalten.

Die Hauptstärke des Films ist aber zweifellos sein visueller Look. Proyas, der bereits im ungewöhnlichen "Dark City" bewiesen hat, dass er sich hinter einem Tim Burton nicht zu verstecken braucht, führt uns mit eindrucksvollen Aufnahmen in das Chicago der Zukunft ein. Die Bilderpracht während des gesamten Films erinnert einem dann auch immer wieder an die neusten Star Wars Teile und übertreibt den Einsatz von CGI-Effekten dabei ebenfalls gelegentlich. Manchmal wäre die "weniger ist Mehr"- Mentalität sicherlich besser gewesen und hätte der Glaubwürdigkeit sehr gut getan, die vor allem in einigen Actionszenen arg strapaziert wird.

Allen Behauptungen zum Trotz ist der Star des Films nicht Will Smith, sondern Roboter Sunny. Mal davon abgesehen, dass sein Auftritt wohl kostspieliger war als die Gage des sympathischen "Men in Black"-Superstars, hat er sich nicht nur die besseren Dialogzeilen ergattert, sondern schafft es auch noch mit Leichtigkeit Smith an die Wand zu spielen. Das Können der Effektkünstler dürfte dann wohl mit einer Oscarnominierung honoriert werden. Bis auf die eigentlich bezaubernde Bridget Moynahan (die als Susan Calvin auftritt) überzeugen aber alle Darsteller. Moynahan übertreibt ihr emotionales Spiel leider etwas. Fans von Smith hingegen kriegen in Spooner genau das was sie von ihm erwarten.

Fazit
"I, Robot" will nichts weiter sein, als ein vergnüglicher Popcorn-Film. Obwohl der Streifen einige tiefgreifende philosophische Fragen zur Robotik verschenkt, mit seinem Heer an Robotern übertreibt und zu Beginn mit Productplacements nervt, entpuppt sich der Film als unterhaltsames Actionspektakel mit großartigen Bildern und sympathischen Darsteller.




Produktion:
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: Jeff Vintar, Akive Goldsman

Darsteller
Will Smith
Bridget Moynahan
Bruce Greenwood
James Cromwell

"The Island" - Wohin führt der blaue Schlauch?

(Review R. Sutter)
Inhalt

Lincoln Six Echo (Ewan McGregor) lebt eingesperrt mit dem kümmerlichen Rest der Menschheit in einem utopischen, reinen Hightech-Wellness-Zentrum. Wie alle Einwohner seiner streng regulierten Umgebung hofft auch Lincoln, für "Die Insel" auserwählt zu werden - dem letzten Platz auf Erden, der nicht kontaminiert ist. Aber Lincoln plagen Alpträume. Er beginnt, seinen Platz in der Gesellschaft zu hinterfragen. Woher kommen die ständigen Überlebenden einer doch eigentlich toten Welt? Wer betreibt diesen riesigen Komplex, in dem sie alle leben? Warum sind seine Kleider immer weiß? Wer legt sie ihm jeden Morgen gebügelt in seine Schublade? Warum kriegt er zum Frühstück keinen Speck? Bald findet er heraus, dass alles um sein Leben herum eine Lüge zu sein scheint. Er und seine Mitbewohner sind in Wahrheit nur Klone, die einzig und allein als "Ersatzteillager" dienen. Als er feststellt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er ausgenommen wird, versucht er, mit der hübschen Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) zu fliehen.

Kritik
Man würde meinen, die Klonthematik sei inzwischen zur Genüge als Aufhänger für neuere Science-Fiction-Streifen verwendet worden. Nach Arnold Schwarzeneggers "The Sixth Day", "Gattaca", "Star Trek Nemesis" oder indirekt auch in den letzten "Star Wars"-Filmen, versucht sich nun Actionfilmer Michael "Boom" Bay an diesem Stoff, nachdem der das Drehbuch direkt von einem gewissen Steven Spielberg erhalten und gleich innert einer Nacht verschlungen hat. Konnte Bay diesem inzwischen reichlich breitgetretenen Thema etwas Neues hinzufügen und einen tollen Film abliefern, der sein Kinoticket wert ist?

Michael Bay. Dieser Name steht für grandioses Actionkino ("The Rock", "Bad Boys"), aber vor allem für perfekt inszenierten, aber inhaltlich ziemlich dummen und unlogischen Schwachsinn wie "Armageddon" oder ärgerlichen, extrem kitschigen, pathetischen Quatsch wie "Pearl Harbour", deren extremer Amerikanismus für den Rest der Welt wohl nur lächerlich wirkt. Bay war noch nie das Lieblingskind der Kritiker. Zu inhaltsleer, zu banal, zu laut seien seine Werke. Doch Bay hat in seiner langen Karriere einen Blockbuster nach dem anderen gedreht und nun ausgerechnet mit "Die Insel" den rein finanziell gesehen größten Flop des Jahres inszeniert - am ehesten noch zu vergleichen mit dem miserablen Einspiel von "Catwoman". Die Kritiken waren im Vorfeld jedoch überraschend gut. Die Presse rund um den Globus ist sich größtenteils darin einig, dass "The Island" der beste Film von Michael Bay ist. Verkehrte Welt. Warum der Film gefloppt ist, wissen wohl nur die Filmgötter. Vielleicht, weil die Hauptfiguren keine Superkräfte besitzen oder im Streifen kein einziges Mal das Wort "fuck" fällt (hey, für einen Bay-Film eine richtige Sensation!).

Der Streifen orientiert sich lose an Genreproduktionen wie "Minority Report", "I, Robot" oder dem inzwischen etwas angestaubten "Omega-Man", kommt aber durch die Nähe zu unserer Zeit (der Film spielt etwa um 2020) viel realistischer und dadurch auch beängstigender und eindrücklicher rüber. Selbst das auf Hochglanz polierte, cleanische Zuhause von Lincoln Six Echo wirkt wie ein Statement auf unseren omnipräsenten Wellness-Wahn.

Was der neue Film von Bay aber von seinen bisherigen Werken unterscheidet, ist, dass sich der Regisseur diesmal wirklich Zeit lässt, die Figuren vorzustellen und (einen Tusch bitte!) die Story voranzutreiben. Sie beinhaltet sogar eine Moral, die nicht mit "Wir Amerikaner sind die Größten, die Coolsten, wir gewinnen immer, also legt euch nicht mit uns an" zusammenzufassen ist. Ob das vielleicht der Grund für einen Flop sein mag? Ein fieser Gedanke. Wie auch immer, wer nun eine zweistündige, dialoglastige Abhandlung über das Klonen erwartet, irrt sich natürlich gewaltig. Wenn sich Lincoln seine Freundin schnappt und sich auf die halsbrecherische Flucht begibt, kracht und knallt es überall. Der Soundpegel steigt genauso rapide an wie der Puls des Kinopublikums, und der Film lässt einem fast nicht mehr zu Atem kommen. Was Bay hier an aufregender Action inszeniert, stellt das Effektgewitter von "Star Wars - Episode III" locker in den Schatten und lässt George Lucas als dilettantischen Anfänger aussehen.

Apropos "Star Wars": Ewan McGregor macht hier eine wesentlich bessere Figur als im bekannten Sci-Fi-Epos. Nicht nur, dass Lincoln Six Echo sich als interessanterer Charakter als der Jedi-Ritter entpuppt, McGregor weiß auch als Schauspieler stärker zu überzeugen. Die kleinen Nuancen zwischen Klon und dessen Original versteht er meisterhaft auszuarbeiten. Wie nicht anders zu erwarten, fand man in der ebenso schönen wie talentierten Scarlett Johansson die ideale Filmpartnerin. "Star Trek"-Fans werden sich über die große Nebenrolle des sympathischen Darstellers Ethan Phillips ("Voyager") freuen, der als liebenswürdiger Klon Jones Three Echo zu überzeugen vermag. Den Part des Bösewichts übernahm Sean Bean ("Herr der Ringe"), der zwar souverän und routiniert spielt, jedoch aus der klischeebehafteten Rolle genauso wenig herauszuholen vermag wie Dijmon Hounsou aus der seinigen. Wesentlich mehr sticht da schon Steve Buscemi heraus. Schlicht deshalb, weil er für ein paar lustige Szenen sorgt. Humor ist in diesem Film ohnehin Trumpf. Vom einfachen Schmunzler bis zum totalen Brüller ist alles vertreten und sorgt nebst der sagenhaft stimmigen Action für zusätzliche Unterhaltung, die vor allem in den ruhigeren Passagen zur Geltung kommt.

Inszenatorisch ist der Film fast schon genial. Dadurch, dass Michael Bay die Spezialeffekte nur spärlich und nicht so überladen einsetzt wie beispielsweise Alex Proya in "I, Robot" wird die Illusion des Realen nicht zerstört. Das futuristische L.A. wirkt nicht wie aus "Captain Future", sondern eher wie das Echte, nur eben um einige fantastische, aber glaubwürdige Details reicher. Der Zug fährt nicht mehr auf Schienen, er schwebt, um nur ein weiteres Beispiel hervorzuheben. Nebenbei erwähnt erkennen Filmfans vielleicht die altehrwürdige Union Station, die bereits für die Holodeckszene in "Star Trek: Der erste Kontakt" herhalten musste.

Fazit

Durchgestylter, packender Actionkracher mit leichtem Anspruch, der es eigentlich nicht verdient hat, vom Kinopublikum so geschmäht zu werden. Der einzig wirkliche Nervfaktor ist das penetrante Product Placement, welches auch noch ziemlich unüberlegt eingesetzt wurde und viel zu aufdringlich ist. Michael Bay bleibt derweil dem Science-Fiction-Genre treu und bringt nächstes Jahr die Realverfilmung "Transformers" auf die Leinwand. Eine Story und starke Charaktere dürfte man dann wieder vergeblich suchen, aber jede Wette: Der Film wird ein Megahit. Schlussendlich kriegt das Publikum wohl einfach die Filme, die es verdient.






Produktion
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Caspian Tredwell-Owen & Alex Kurtzman

Darsteller
Ewan McGregor (Lincoln Six Echo)
Scarlett Johansson (Jordan Two Delta)
Sean Bean (Merrick)
Ethan Phillips (Jones Three Echo)
Dijmon Hounsou (Albert Laurent)
Steve Buscemi (McCord)
Michael Clarke Duncan (Starkweather)

"V for Vendetta": Was braucht es, um die Welt zu verändern?

(Review R. Sutter)

Inhalt

"Remember, remember, the 5th of november…"

An jenem schicksalhaften Tag, im Jahre des Herrn 1605, versuchte der Freiheitskämpfer Guy Fawkes das Londoner Regierungsgebäude zu sprengen. Zu jenem Zweck ließ er 36 Fässer Schießpulver in einem Tunnel positionieren. Doch zu der großen Explosion kam es nie, denn Fawkes und seine Mitstreiter wurden gefasst und für ihren Hochverrat gehängt.

Exakt 400 Jahre später werden die Menschen immer noch unterdrückt und tyrannisiert. Nachdem der Dritte Weltkrieg die Erde ins Chaos gestürzt hat, ließ Kanzler Sutler einen faschistischen Machtapparat aufbauen, den er nun mit aller Gewalt kontrolliert. Die Bürger werden strengstens bewacht und eingeschüchtert. Freiheit ist nur eine Illusion. Doch während die Menschen sich daran gewöhnt haben, belogen und manipuliert zu werden und kaum noch gegen das Regime opponieren, taucht ein in dunkle Gewänder gekleideter Gentleman namens V auf. Sein Gesicht mit einer Guy-Fawkes-Maske bedeckt, redegewandt, intelligent und geheimnisvoll, zettelt er eine Revolution an, welche genau in einem Jahr in der Sprengung des Justizgebäudes ihren Höhepunkt erreichen und damit das Ende des grausamen Regimes besiegeln soll.

Kritik
"Das Volk sollte sich nicht vor seiner Regierung fürchten. Die Regierung sollte sich vor ihrem Volk fürchten."

Können Sie sich einen unterhaltsamen Popcorn-Film vorstellen, in welchem der Hauptcharakter, ein heroischer, charismatischer Vin-Diesel-Typ, die Twin Towers in Manhattan durch eine Explosion einstürzen lässt? Nein? Ich auch nicht, und genau deswegen mutet es nach dem 9.11. seltsam an, dass das Kinopublikum sich mit einem Helden identifizieren soll, welcher das englische Parlament in einer Flammenhölle untergehen lassen will. Mit einem Helden, der klar ein Terrorist ist. Jemand, der Menschen tötet, ohne mit der Wimper zu zucken, der es in Kauf nimmt, dass kleine Mädchen seinetwegen sterben, jemand, der foltert.

Es scheint fast so, als hätte Hollywood aus dem (zumindest aus künstlerischer Sicht) desaströsen letzten Kinojahr gelernt, denn innerhalb von zwei Wochen tauchen mit "Lord of War", "V for Vendetta" und "Inside Man" gleich drei Filme auf, die politisch brisant, sehr intelligent und gleichzeitig äußerst unterhaltsam sind. Sozusagen anspruchsvolles Politkino im Stil der 70er-Jahre, getarnt als Blockbuster für die breite Masse.

Die verfilmten Werke des gefeierten britischen Graphic-Novellisten Alan Moore waren bisher lediglich eine Empfehlung für Kinogänger, die mehr Wert auf den visuellen Stil eines Films legten. "League of Extraordinary Gentlemen" oder "From Hell" enttäuschten trotz namhafter Darstellerriege und üppiger Ausstattung. Die Zeichen für "V" standen somit eher schlecht als recht, vor allem, als Moore verlauten ließ, dass der neue Streifen von Regisseur und Wachowski-Zögling James McTeigue "idiotisch" sei und er seinen Namen von dem Projekt zurückgezogen habe.

Mag sein, dass die Geschichte um einen maskierten Revolutionär, der mit Hang zur Theatralik und tonnenweise Sprengstoff nicht unbedingt plausibel ist und einiges aus der 286 Seiten langen Graphic-Novelle verändert und entfernt wurde, doch dies muss jemanden, der die Vorlage nicht kennt, nicht unbedingt stören. Moore schrieb den Stoff zwischen 1981 und 1988, um gegen die damalige Thatcher-Regierung zu protestieren. Die Anleihen bei George Orwells stets hochaktuellem Kultroman "1984" und die Parallelen zu Nazi-Deutschland sind dabei nicht einmal nötig, denn die im Film gezeigte Manipulation des normalen Bürgers ist auch durch heutige Regierungen (ein Blick nach Übersee genügt) mehr als deutlich zu erkennen. Die Stärke des Films liegt einerseits an seiner Brisanz und andererseits an der Figur V, die den Zuschauer tatsächlich zwingt, über die Vorgänge nachzudenken und auch darüber zu reflektieren, ob der Zweck nun die Mittel heiligt. Allein für diesen Mut möchte ich den Film jedem Kinogänger empfehlen.

Der Trailer könnte dem Streifen jedoch zum Verhängnis werden, zumal er haufenweise Actionszenen suggeriert. Tatsächlich ist "V for Vendetta" ein ebenso intimer wie stiller Film, beinahe ein Charakterstück. Selbst kleine Nebenfiguren sind besser ausgearbeitet und gehen dem Zuschauer näher als die meisten Hauptcharaktere in ähnlich teuren Produktionen. "Vendetta" ist eigentlich gar kein Actionfilm, besitzt aber dennoch eine Intensität, Dramatik und Spannung, die einen in den Bann zieht. Getragen wird der Film durch glaubwürdige Figuren, die allesamt durch hochkarätige Schauspieler dargestellt werden. Zu Hugo Weaving ("Matrix", "Lord of the Rings"), der hinter seiner Maske verborgen bleibt, aber durch seine intensive Stimme brilliert, gesellen sich Altstar John Hurt ("Aliens", "1984"), Stephan Rea ("The Crying Game") und natürlich Sternenprinzessin Natalie Portman ("Leon", "Closer").

Fazit

Inhaltlich großartiger, dramatischer Thriller. Blendend gespielt und elegant inszeniert. Der Streifen überzeugt auf allen Ebenen und regt zum Nachdenken an. Mit Sicherheit wird dies einer der wenigen Filme sein, die auch noch in zehn oder zwanzig Jahren nichts von ihrer Brisanz und Intensität verloren haben werden. Was braucht es, um die Welt zu verändern? Nichts weiter als eine Idee.






Produktion
Regie: James McTeigue
Drehbuch: Andy & Larry Wachowski, David Lloyd

Darsteller
Hugo Weaving (V)
Natalie Portman (Evey Hammond)
Stephan Rea (Finch)
John Hurt (Sutler)